Posted in: Kosmos, Sterne 6. Juli 2009 16:48 Weiter lesen →

Periodisch gefräßige Sternhaufen

Aufnahme zeigt Kugelsternhaufen als gleißend helle, dichte Ansammlung von Lichtpunkten vor schwarzem Hintergrund Anders als lange Zeit angenommen, können in großen Sternhaufen mehrere Wellen der Sternentstehung ablaufen. Den Grund dafür glauben Bonner Astronomen gefunden zu haben. Genügend Masse vorausgesetzt, können Sternhaufen nach dem „Verglühen“ einer Sterngeneration erneut Gas anhäufen, aus dem eine weitere Sterngeneration entsteht.

Omega Centauri ist mit rund 2,5 Millionen Sonnenmassen nicht nur der massereichste Kugelsternhaufen, er enthält auch drei Sterngenerationen. Bild: NASA, ESA, and the Digitized Sky Survey 2

Dieses Szenario erkläre, warum lediglich Sternhaufen mit einer Anfangsmasse von rund 1 Million Sonnen im Laufe der Zeit zwei oder sogar drei Sterngenerationen hervorgebracht hätten, so Jan Pflamm-Altenburg von der Universität Bonn. Der Forscher und sein Kollege Pavel Kroupa präsentieren die Resultate ihrer Arbeit in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“.

Für das Phänomen der Mehrgenerationen-Sternhaufen gab es bislang keine befriedigende Erklärung. Mit Hilfe ihres analytischen Modells ist die Entwicklung der Gebilde und die Lage der Masseschwelle erstmals nachvollziehbar, sind die beiden Bonner Forscher überzeugt.

Den Anfang macht eine erste Generation heißer Sterne, die das bei der Haufenentstehung übrig gebliebene Wasserstoff- und Heliumgas in alle Winde zerstreut. Im Laufe ihres Daseins kühlen sich diese Sterne ab und setzen ihrerseits Gas frei, das nun im Sternhaufen festgehalten werden kann – gesetzt den Fall, dieser besitzt ausreichend Masse und damit eine genügend starke Schwerkraft.

Hat sich ein solcher Haufen schließlich auf eine Temperatur von etwa 10.000 Grad Celsius abgekühlt, kann er zudem Gas aus dem umgebenden interstellaren Medium aufsammeln. Das festgehaltene bzw. aufgelesene Gas kann sich wieder so weit verdichten, dass sich darin erneut Sterne bilden. Der Zyklus beginnt erneut, möglicherweise nicht zum letzten Mal.

Das Resultat ist eine Verteilung des Sternalters mit deutlich unterscheidbaren Gruppen, die rund 50 Millionen Jahre auseinander liegen, erläutert Pflamm-Altenburg. Anders dagegen die Verteilung in Sternhaufen mit weniger als 1 Million Sonnenmassen. Mangels Nachschub an Gas gibt es in ihnen nur eine einzige Generation von Sternen, deren Alter um wenige Millionen Jahre variiert.

Forschung: Jan Pflamm-Altenburg und Pavel Kroupa, Argelander-Institut für Astronomie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, DOI 10.1111/j.1365-2966.2009.14954.x; Preprint arXiv:0904.4476

WWW:
Arbeitsgruppe Pavel Kroupa, Uni Bonn
Sternhaufen
Star Formation

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Dreifacher Babyboom im Kugelsternhaufen
Schnappschüsse der Milchstraße


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1 Kommentar zu "Periodisch gefräßige Sternhaufen"

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  1. In meinem Papier
    „Klassifizierung von Galaxien auf der Grundlage der Theorie der gravitativen Entkoppelung“ http://www.cwirko.de
    habe ich schon vor 2 Jahren eine Vorhersage gemacht um meine Theorie zu verifizieren, dass die Sternhaufen sich nur auf wenige Rotationsebenen konzentrieren und aus Sternen verschiedenes Alters bestehen müssen. Entgegen damals herrschenden Meinung de Astronomen.