Posted in: Astrobiologie, Planeten 5. August 2009 19:00 Weiter lesen →

Rätselhaftes Mars-Methan

Grafik zeigt Blick auf den dunklen Mars, regional erhöhte Methankonzentrationen als rötliche Flecken inmitten grüner und blauer KonturenTrotz aller Bemühungen gibt der Mars weiterhin Rätsel auf. Das demonstrieren Modellrechnungen zweier französischer Forscher. Große Fahnen von Methangas, wie sie über dem roten Planeten beobachtet worden sind, lassen sich auf Basis derzeitigen Wissens demnach kaum erklären.

Grafik: Trent Schindler/NASA

Eigentlich sollte Methan aus regionalen Quellen rasch in der Atmosphäre des Mars verteilt werden, schreiben Franck Lefèvre und François Forget von der Université Pierre et Marie Curie im Magazin „Nature“. Die Beobachtung einer klar ausgeprägten Methanfahne spreche daher für einen 600 Mal schnelleren Abbau des Gases als momentan plausibel.

Bereits im Jahr 2003 hatten NASA-Forscher bei Beobachtungen mit irdischen Teleskopen große Methanfahnen entdeckt, die sich im Sommer über der Nordhalbkugel des Mars bildeten. Mit einem umfassenden Modell der atmosphärischen Physik und Chemie versuchten Lefèvre und Forget, das Phänomen nachzuvollziehen – und stießen auf eine Reihe von Problemen.

Am ehesten ließen sich die beobachteten Variationen mit einer Quelle reproduzieren, aus der binnen Wochen rund 150.000 Tonnen Methan entwichen, das wiederum binnen Monaten vollständig abgebaut wurde. Nach heutigem Wissensstand sollten sich die jährlichen marsweiten Emissionen auf wenige Hundert Tonnen Methan belaufen, zudem sollte ein Methanmolekül in der Marsatmosphäre eine typische Lebensdauer von einigen Jahrhunderten haben. Damit nicht genug, sollte jegliche Emission binnen Wochen gleichmäßig in der Gashülle des roten Planeten verteilt werden.

Für andere Gase stimmen die Vorhersagen des Atmosphärenmodells gut mit den Beobachtungen überein, schreiben Lefèvre und Forget. Daher spielten vielleicht chemische Reaktionen des Methans an der Marsoberfläche eine größere Rolle als bislang angenommen. In diesem Fall müsste der Marsboden höchst aggressive Verbindungen enthalten. „Dies würde wiederum die Hoffnung zunichte machen, dass Leben, so wie wir es kennen, dort heute noch existiert oder dass zumindest Spuren einstigen Lebens in der oberen Bodenschicht erhalten geblieben sind“, folgern die Forscher.

Forschung: Franck Lefèvre und François Forget, Laboratoire Atmospheres, Milieux et Observations Spatiales (LATMOS) und Laboratoire de Météorologie Dynamique (LMD), Université Pierre et Marie Curie, Paris

Veröffentlichung Nature, Vol. 460, 6. August 2009, pp 720-3, DOI 10.1038/nature08228

WWW:
LATMOS, LMD, Université Pierre et Marie Curie
Mars
Martian Methane Reveals the Red Planet is not a Dead Planet

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mars-Methan auch ohne Leben
Nächste Runde: Leben auf dem Mars?


Posted in: Astrobiologie, Planeten
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (8 Bewertungen, im Schnitt 4,75 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


1 Kommentar zu "Rätselhaftes Mars-Methan"

Trackback | Comments RSS Feed

  1. F.Kluge sagt:

    Wäre es nicht möglich, dass vor einigen Millionen Jahren nicht doch eine Lebensform auf pflanzlicher Basis auf dem Mars vorhanden war?
    Ähnliche Effekte gibt es im Sommer rund um den Nordpol der Erde im Permafrost
    ebenfalls. Hier entstehen im Sommer ebenfalls große Mengen Methan, die sich aus Fäulnis bilden.
    Könnte die Methanabbaugeschwindigkeit auf dem Mars nicht mit der starken kosmischen Strahlung erklärt werden, die das Gas aufspaltet?