Posted in: Exoplaneten, Sonnensystem 11. August 2009 17:26 Weiter lesen →

Planetarischer Crash

Grafik zeigt feurigen Zusammenprall zweier Gesteinsplaneten Die Spuren einer gewaltigen Kollision im All haben amerikanische und britische Astronomen gefunden. Bei einem jungen Stern in der galaktischen Nachbarschaft der Sonne fanden sie große Mengen aufgeschmolzenen und verdampften Gesteins, die wahrscheinlich auf den Zusammenstoß zweier angehender Planeten zurückgehen.

Grafik: NASA/JPL-Caltech

Bei einer ganz ähnlichen Kollision sei vor über vier Milliarden Jahren der Grundstoff des Mondes aus der Erde herausgeschlagen worden, erläutert Carey Lisse von der Johns Hopkins University. Das jetzt entdeckte Ereignis liege aber nur wenige Jahrtausende zurück – nach kosmischen Maßstäben wenige Augenblicke.

Lisse und seine Kollegen nutzten das Weltraumteleskop Spitzer, um den Stern HD172555 zu beobachten. Gut 100 Lichtjahre von der Sonne entfernt, ist das Gestirn gerade einmal 12 Millionen Jahre jung. Damit befindet es sich in einer Phase, in der in seiner Umgebung Myriaden kleinerer Gesteinsbrocken miteinander kollidieren und zu größeren Objekten fusionieren oder aber in Tausend Stücke zerstieben.

Wie die Forscher im „Astrophysical Journal“ berichten, muss es bei dem jungen Stern erst kürzlich zu einer größeren Kollision gekommen sein. Im Infrarotspektrum zeigt sich der optische Fingerabdruck von Siliziumdioxid, das nicht etwa regelmäßige Quarzkristalle bildet, sondern aufgeschmolzen wurde und in unregelmäßiger Anordnung zu einem Glas erstarrt ist.

Die beobachteten Daten passen gut zu Obsidian und zu Tektiten – rasch erstarrter Lava bzw. kleinen Glaskörpern, die sich beim Einschlag größerer Meteoriten bilden. Zudem findet sich in der Umgebung des Sterns reichlich Siliziumoxid-Gas als Relikt verdampften Gesteins. „So etwas habe ich nie zuvor gesehen“, erklärt Lisse. Gemessen an den Kollisionsprodukten, hätten die beteiligten Gesteinskörper zusammen wohl mehr als das Doppelte der Mondmasse besessen und seien mit einer Relativgeschwindigkeit von mindestens zehn Kilometern pro Sekunde aufeinander geprallt.

Forschung: Carey M. Lisse, Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, Laurel, Maryland; Christine H. Chen, Space Telescope Science Institute, Baltimore; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 701, pp 2019-32, DOI 10.1088/0004-637X/701/2/2019

WWW:
Homepage Carey Lisse
Evolution of Our Solar System
Als der Mond aufging
Spitzer

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