Posted in: Exoplaneten 26. August 2009 19:00 Weiter lesen →

Astronomen finden „unmöglichen“ Planeten

Illustration zeigt Planet mit Wolkenbändern nahe vor Gestirn mit turbulenter Oberfläche Einen Planeten, den es eigentlich nicht mehr geben dürfte, hat eine internationale Astronomengruppe entdeckt. Der Gasriese zieht in derart geringem Abstand um sein Zentralgestirn, dass ihn die Gezeitenkräfte längst zum „Absturz“ gebracht haben sollten.

Grafik: NASA-Jet Propulsion Laboratory

Entweder sehe man den Exoplaneten kurz vor seinem dramatischen Ende, folgern die Forscher um Coel Hellier von der englischen Keele University im Magazin „Nature“. Oder die Gezeiten entfalteten im Falle des furiosen Gespanns eine sehr viel schwächere Bremswirkung als beispielsweise im heimischen Sonnensystem.

Hellier und Kollegen fanden den Exoplaneten bei der systematischen Fahndung nach Sternen mit regelmäßigen Helligkeitseinbrüchen, wie sie auf Planeten in der Sichtlinie zur Erde zurückgehen könnten. Im Falle des Sterns WASP-18 (HD 10069) bestätigte sich dieser Verdacht. Der Planet mit der nüchternen Bezeichnung WASP-18b besitzt etwa das 10-Fache der Jupitermasse und rast in kaum 23 Stunden im Abstand von rund 3 Millionen Kilometern um seinen Stern.

Unter diesen Bedingungen sollten sich ausgeprägte Wulste auf Stern und Planet bilden – ähnlich den „Wasserbergen“, die die Gezeitenkräfte von Mond und Sonne in den irdischen Ozeanen auftürmen. Und da WASP-18b schneller um seinen Stern kreist, als sich dieser um die eigene Achse dreht, sollte der Planet durch die Schwerkraft des von ihm selbst verursachten Gezeitenwulstes merklich abgebremst werden.

Der Stern und sein rasender Planet dürften mindestens 500 Millionen Jahre alt sein, schätzen die Forscher. Möglicherweise habe man schlicht großes Glück, einen fernen Planeten in der finalen Phase einer „Todesspirale“ beobachten zu können. Vielleicht sei in dem fernen System aber auch ein Mechanismus am Werk, der den Effekt der Gezeitenkräfte verringere. Regelmäßige Vermessungen der Umlaufbahn von WASP-18b sollten schon bald Klarheit schaffen.

Forschung: Coel Hellier und David R. Anderson, Astrophysics Group, Keele University; Andrew Collier-Cameron, School of Physics and Astronomy, University of St Andrews, Fife; Michael Gillon und Stephane Udry, Observatoire de Genève, Université de Genève, Sauverny; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 460, pp 1098-1100, DOI 10.1038/nature08245

WWW:
SuperWASP
Astrophysics Group, Keele University
Extrasolar Planets Encyclopaedia
Gezeitenkräfte und ihre Wirkungen

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Planet und Stern im Gleichtakt
Exoplanet hat Stern an der Kandare
Marsmond Phobos in der „Todesspirale“?


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