Posted in: Sonnensystem 16. September 2009 08:02 Weiter lesen →

Komet sendet Mini-Kometen aus

Per starker Kantenbetonung bearbeitetes Bild zeigt Holmes' kugelförmige Wolke als quallenartiges Gebilde mit hellen Strahlen im Zentrum Wenn sich eine eisige Kugel der Sonne nähert, sind Turbulenzen vorprogrammiert. Besonders stark waren sie im Falle des Kometen Holmes, belegt eine Studie amerikanischer Astronomen. Als der Komet im Herbst 2007 die Sonne passierte, wurden große Stücke aus ihm herausgesprengt und rasten als Mini-Kometen durch das All.

Bild: Jewitt, Stevenson, Kleyna

Die Bruchstücke tauchten zu jener Zeit auf, als auch die Helligkeit des Kometen um mehr als das Hunderttausendfache stieg, berichtet Rachel Stevenson von der University of California, Los Angeles, auf einer Fachtagung in Potsdam. „Anfangs hielten wir den Kometen allein wegen dieses immensen Helligkeitsausbruchs für außergewöhnlich“, so die Forscherin.

Zunächst ein unauffälliger Lichtpunkt, wurde Holmes im Oktober 2007 binnen zwei Wochen heller und heller. Grund war eine Wolke aus Gas und Staub, die sich um den 3,6 Kilometer großen Kometenkern ausbreitete und das Sonnenlicht reflektierte. Nach kurzer Zeit war diese Hülle sogar größer als die Sonne.

Stevenson und zwei Kollegen beobachteten die Entwicklung mit dem Canada-France-Hawaii Telescope auf dem Vulkan Mauna Kea. Die Forscher bearbeiteten ihre Aufnahmen so, dass selbst minimale Helligkeitsunterschiede in der Wolke deutlich hervortraten. Auf diese Weise konnten sie Fragmente nachweisen, die sich mit etwa 100 Metern pro Sekunde von dem Komet weg bewegten.

Ganz nach Kometenart, produzierte jedes einzelne dieser Bruchstücke vorübergehend seine eigene Hülle aus Gas und Staub. In einem Fall scheint diese Aktivität so stark gewesen zu sein, dass das Fragment dadurch förmlich pulverisiert wurde.

Wie genau solche Ausbrüche zustande kommen, ist noch unklar. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich der Komet bei der Annäherung an die Sonne erwärmt, sodass auch in seinem Innern Eis in den gasförmigen Zustand übergeht. Dadurch könnte der Komet förmlich unter Druck gesetzt werden. Nähere Einsichten erhoffen sich die Forscher spätestens im Jahr 2014, wenn Holmes auf seiner Bahn erneut in die Nähe der Sonne kommt.

Forschung: Rachel Stevenson und David Jewitt, Department of Earth and Space Sciences und Institute for Geophysics and Planetary Physics, University of California, Los Angeles; Jan Kleyna, Institute for Astronomy, University of Hawaii, Manoa

Präsentation auf dem European Planetary Science Congress 2009, Potsdam; #EPSC2009-33

WWW:
Comets, David Jewitt
The Comet Primer
Holmes
Kantenerkennungsfilter

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Komet ohne Kruste
Schweißtreibende Tour für Kometen


Posted in: Sonnensystem
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken