Exotischer Meteorit in der Kamerafalle
Donnerstag, 17. September 2009, 20:00 • Rubrik Sonnensystem.
Astronomen ist in der australischen Wüste ein außergewöhnlicher Meteorit in die Falle gegangen. Mit einer Reihe von Kameras während seines Falls beobachtet, konnte der etwa faustgroße Stein geborgen und analysiert werden. Und auch seine Herkunftsregion im Sonnensystem lässt sich berechnen, berichten die Forscher im Magazin “Science”.
Foto: The Desert Fireball Network, funding from STFC and the EU
Gerade der letzte Punkt mache den neuen Fund so wertvoll, betont Philip Bland vom Imperial College London. Meteoriten könnten Einblicke in die Vorgänge im jungen Sonnensystem geben. Dafür müsse man jedoch wissen, woher sie stammten. “Andernfalls ist das so, als würde man die Geologie Britanniens anhand einiger Steine deuten wollen, die jemand vor der Haustür abgeladen hat.”
Bland und seinen Kollegen gelang der Fund mit Hilfe eines Kamera-Netzwerks, das sie in der Nullarbor-Wüste im Süden Australiens installiert hatten. Jede dieser Kameras erfasst den Nachthimmel in einer Langzeitaufnahme, auf der sich Sterne, Flugzeuge und auch Meteore als Leuchtspuren abzeichnen. So geschehen am 20. Juli 2007, unmittelbar nach der Einweihung des Netzwerks. Anhand der Aufnahmen berechneten die Forscher den Aufschlagpunkt des Meteoriten – und fanden den dunklen Stein keine 100 Meter entfernt davon auf dem hellen Wüstenboden.
Foto: The Desert Fireball Network, funding from STFC and the EU
Auf den ersten Blick wirke der Bunburra-Rockhole-Meteorit wie ein normaler Vertreter der Eukrite, berichten die Forscher. Als wahrscheinlicher Ursprungskörper dieser Steinmeteoriten gilt der große Asteroid Vesta im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Gemessen an seinem Gehalt verschiedener Sauerstoffisotope, muss der Meteorit jedoch einen anderen Mutterkörper haben. Offenbar hat man diesen bislang übersehen und einige Meteoriten vielleicht fälschlicherweise der Vesta zugeschrieben.
Die Analyse der Kamerabilder ergab zudem, dass die Umlaufbahn des Trümmerbrockens zuletzt beinahe vollständig innerhalb der Erdbahn lag. In der Vergangenheit ist er wohl schon mehrfach nahe an der Erde und auch an der Venus vorbeigeflogen. Ursprünglich dürfte er allerdings vom inneren Rand des Asteroidengürtels kommen, lassen die Berechnungen Blands und seiner Kollegen vermuten.
Forschung: Philip A. Bland, Department of Earth Science and Engineering, Imperial College London, London; Pavel Spurný, Astronomical Institute of the Academy of Sciences, Ondřejov Observatory; Geoff Deacon, Department of Earth and Planetary Sciences, Western Australia Museum, Welshpool; und andere
Veröffentlichung Science Vol. 325, pp 1525-7, DOI 10.1126/science.1174787
WWW:
Impacts and Astromaterials Research Centre, Imperial College London
- The Desert Fireball Network
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