Posted in: Planeten 18. September 2009 15:49 Weiter lesen →

Reibungsroter Mars

Foto zeigt zwei Glasfläschchen, im einen dunkelgraues, im anderen rostrotes pulverförmiges Material Auf dem Mars dürfte es einst größere Wasserflächen gegeben haben. Die für den Planeten so typische Farbe hätte sich aber auch ohne Wasser herausbilden können, vermuten dänische Physiker. Bei ihrem Experiment reagierte ein graubraunes Eisenmineral zu einer rostroten Variante, indem es sich immer wieder an Sandkörnchen rieb.

Foto: Jon Merrison, Aarhus Universitet

„Eigentlich sollte der Mars eher schwarz sein, zumindest zwischen seinen weißen Polkappen, weil es sich bei dem Gestein in seinen mittleren Breiten vorwiegend um Basalt handelt“, erklärt Jonathan Merrison von der Universität Århus. „Seit Jahrzehnten nimmt man an, dass die rötlichen Gebiete mit der wasserreichen frühesten Vergangenheit des Mars in Verbindung stehen und dass dort zumindest stellenweise wasserhaltige, stark oxidierte Eisenmineralien vorkommen.“

Merrison und seine Kollegen führten Versuche durch, um den Transport von Sandkörnchen und anderen Mineralpartikeln auf dem windgepeitschten Mars zu simulieren. Dazu gaben sie Quarzsand in Glasgefäße, versiegelten diese und ließen sie sieben Monate lang von einem Automaten durchschütteln. Einige Ansätze enthielten zusätzlich etwas Magnetit, ein Eisenmineral von dunkler Farbe.

Das Material in diesen Gefäßen erfuhr im Laufe der Monate eine bemerkenswerte Veränderung, berichteten die Forscher auf dem europäischen Planetologenkongress in Potsdam. Nicht nur wurde etwa ein Zehntel des Sandes zu feinem Quarzstaub zermahlen, auch die graubraune Farbe schlug allmählich in Rot um. Die Analyse des Materials bestätigte den Verdacht, dass ein Teil des Magnetits zu dem etwas stärker oxidierten Eisenmineral Hämatit reagiert hatte.

Die gleiche Veränderung habe sich eingestellt, wenn vor dem Versiegeln sämtliche Luft mit trockenem Kohlendioxid aus den Gefäßen gespült worden sei, betont Merrison. Offenbar laufe die Reaktion also ohne Wasser ab. Vermutlich werde sie durch den mechanischen Kontakt zwischen den Oberflächen der Mineralkörnchen angetrieben.

Forschung: Jonathan P. Merrison, Haraldur Pal Gunnlaugsson, Svend Knak Jensen und Per Nørnberg, Mars Simulerings Laboratoriet, Aarhus Universitet, Århus

Präsentation auf dem European Planetary Science Congress 2009, Potsdam; Veröffentlichung Icarus, DOI 10.1016/j.icarus.2009.09.004

WWW:
Mars Simulation Laboratory, Aarhus Universitet
Mars
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