Posted in: Exoplaneten 1. Oktober 2009 13:59 Weiter lesen →

Höllisches Wetter auf fernem Planet

Grafik zeigt rötlich glimmenden Planet, über dessen Horizont eine hellorange brodelnde Sonne aufgeht, tiefschwarzer Hintergrund Der kleinste bekannte Planet eines anderen Sterns ist etwa doppelt so groß wie die Erde und besteht aus Gestein. Damit erschöpft sich die Ähnlichkeit aber auch schon, zeigen Berechnungen zweier amerikanischer Planetenforscher. Auf der fernen Welt dürfte ein wahrhaft höllisches Wetter herrschen – inklusive Alkalimetall-Wolken und gelegentlichen Schauern flüssigen Gesteins.

Grafik: ESO/L. Calcada

„Die einzige Atmosphäre, die dieses Objekt hat, bildet sich aus den Ausgasungen glutflüssiger Silikate in Seen oder in einem Ozean aus Lava“, erklärt Bruce Fegley von der Washington University in St. Louis. „Natrium, Kalium, Siliziummonoxid und Sauerstoff – in atomarer oder molekularer Form – sind darin die Hauptbestandteile.“

Das gilt zumindest für die Tagseite von Corot-7b. Der Gesteinsplanet kreist in extrem geringem Abstand um sein Zentralgestirn und wendet ihm aufgrund der starken Gezeitenkräfte stets die gleiche Seite zu, ähnlich wie der Mond der Erde. Permanent der Strahlung des Sterns ausgesetzt, dürften in dieser Hemisphäre Temperaturen um 2.300 Grad Celsius herrschen.

Fegley und seine Kollegin Laura Schaefer untersuchten, welche Atmosphäre sich über der Gesteinsschmelze ausbilden kann. Dazu nutzten sie ein selbstentwickeltes Computerprogramm, das die Stabilität von Mineralgemengen unter verschiedenen Bedingungen berechnet. Die Resultate präsentieren sie im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Wie auch in der Gashülle der Erde, sinkt die Temperatur in der Atmosphäre von Corot-7b mit der Höhe, sodass schließlich ein Teil der enthaltenen Gase zu Tröpfchen kondensiert. „Anstelle von Wasserwolken, aus denen Wassertropfen herabregnen, gibt es dort allerdings ‚Gesteinswolken‘, aus denen Kügelchen verschiedener Gesteinstypen fallen“, so Fegley weiter. Ebenfalls vorhandene Alkalimetalle wie Natrium und Kalium wiesen dagegen vergleichsweise niedrige Siedepunkte auf. Sie könnten daher erst in großen Höhen Wolken bilden, deren typisches Glimmen vielleicht auch für irdische Teleskope erkennbar sei.

Forschung: Laura Schaefer und M. Bruce Fegley Jr., Department of Earth and Planetary Sciences, Washington University at St. Louis, Saint Louis, Missouri

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 703, L113-L117, DOI 10.1088/0004-637X/703/2/L113; Preprint arXiv:0906.1204

WWW:
Planetary Chemistry Laboratory, Bruce Fegley
Corot-7
Corot

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