Posted in: Kosmos 23. Oktober 2009 13:27 Weiter lesen →

Früher kosmischer Koloss

Helle Lichtflecken auf schwarzem Hintergrund, in der Mitte ein bläuliches GlimmenNach dem Urknall kam vergleichsweise rasch Struktur in das Universum. Diese Ansicht bekräftigt die Entdeckung eines extrem weit entfernten Galaxienhaufens durch ein europäisches Astronomentrio. Der Koloss ist etwa 10,2 Milliarden Lichtjahre von der Milchstraße entfernt. Sein Licht erreicht irdische Beobachter daher aus einer Zeit, als das Universum nur ein Viertel seines heutigen Alters hatte.

Eine Chandra-Aufnahme, über optische Aufnahmen gelegt, zeigt in Blau das Röntgenglimmen des heißen Haufengases. Bild: X-ray: NASA/CXC/INAF/S.Andreon et al Optical: DSS; ESO/VLT

Nach Ansicht von Stefano Andreon von der Mailänder Sternwarte des Istituto Nazionale di Astrofisica könnte es sich um einen der ersten Galaxienhaufen überhaupt handeln. „Dieses Objekt liegt nahe an der für Galaxienhaufen angenommenen Maximalentfernung“, erklärt der Forscher. „Wir glauben nicht, dass die Schwerkraft so schnell arbeitet, dass Galaxienhaufen deutlich früher entstanden sein könnten.“

Andreon und zwei Kollegen aus Bristol und Heidelberg gelang ihre Entdeckung bei der Analyse von Aufnahmen, die das UK Infrared Telescope auf Hawaii gemacht hatte. Schon die Ballung von Strahlungsquellen mit ähnlichen Infrarotspektren an einem Fleck ließ vermuten, dass es sich um eine dichte Ansammlung von Galaxien handelte. Gewissheit brachte dann der Nachweis von viele Millionen Grad Celsius heißem Gas zwischen den Galaxien – anhand seiner Röntgenstrahlung erkennbar auf einer Aufnahme des Weltraumteleskops Chandra.

Ein Galaxienhaufen im Prozess der Entstehung oder eine zufällige Aufreihung von Galaxien und Gas entlang der Sichtlinie können die Beobachtungen nicht erklären, berichten Andreon und Kollegen im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“. Daher handle es sich bei JKCS041 mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen „ausgewachsenen“ Galaxienhaufen. Seine Gesamtmasse dürfte in einer Größenordnung von wenigen Hundert Billionen Sonnenmassen liegen, schätzen die Forscher

„Das ist eine aufregende Entdeckung“, erläutert Andreons Kollege Ben Maughan von der Universität Bristol. Der ungewöhnliche Galaxienhaufen könne Astronomen viel über die Bildung von Materieansammlungen und von chemischen Elementen im jungen Universum verraten. „Es ist so, als würde man das Fossil eines Tyrannosaurus rex finden, das sehr viel älter ist als alle anderen.“

Forschung: Stefano Andreon und Ginevra Trinchieri, Osservatorio Astronomico di Brera, Istituto Nazionale di Astrofisica, Mailand; Ben Maughan, Department of Physics, University of Bristol; Jaron Kurk, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg

Veröffentlichung Astronomy and Astrophysics, DOI 10.1051/0004-6361/200912299

WWW:
Osservatorio Astronomico di Brera, INAF
Galaxienhaufen
Timeline of the Universe
The UKIRT Infrared Deep Sky Survey
Chandra

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Forscher finden größten Galaxienhaufen
Neues vom kosmischen Schaumbad


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1 Kommentar zu "Früher kosmischer Koloss"

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  1. Auf meiner Internetseite http://www.cwirko.de habe ich meine Theorie der gravitativen Wirkung vorgestellt.
    Ich behaupte und ich habe gute Gründe dazu, dass die Gravitation und sowieso unsere Universum vollkommen anders funktioniert als die Wissenschaft sich so vorstellt.
    Um das zu erklären muss ich eueren Geduld ein bisschen strapazieren. Leider geht es nicht in 2 Setzen.

    [Und leider ist unser Kommentarbereich auch nicht der richtige Ort, Ihre persönlichen Theorien auszubreiten. Weshalb wir uns erlauben, den Kommentar hier abzuschneiden. Danke für Ihr Verständnis. Die Redaktion]