Posted in: Planeten 23. November 2009 15:00 Weiter lesen →

Zerfurchter Mars

Globus des Mars mit farbig markierten Bereichen unterschiedlicher Taldichte, möglichen Meeresspiegeln Die Oberfläche des Mars ist deutlich stärker zerfurcht als bislang angenommen. Das haben zwei amerikanische Planetenforscher bei der computergestützten Analyse von Sondendaten entdeckt. Besonders viele Täler finden sich im Bereich zwischen den südlichen Hochländern und der nördlichen Tiefebene – ein Hinweis darauf, dass hier einst reichlich Wasser floss.

Grafik: Wei Luo, Northern Illinois University

Alle Merkmale der neuen Talkarte sprächen für ein und dasselbe Klimaszenario auf dem jungen Mars, erklärt Wei Luo von der Northern Illinois University. „Es umfasst Regen und die Existenz eines Ozeans, der den größeren Teil der nördlichen Halbkugel bedeckte, insgesamt rund ein Drittel der Planetenoberfläche.“

Seit in den 70er-Jahren tief eingeschnittene Täler auf dem Mars entdeckt wurden, diskutieren Forscher über deren Ursprung. Da die Tal-Netzwerke auf dem Roten Planeten deutlich weniger dicht sind als jene auf der Erde, war argumentiert worden, sie gingen auf austretendes Grundwasser zurück und nicht etwa auf abfließendes Niederschlagswasser. Dieses Argument wird durch die neue Karte entkräftet, ist Luo überzeugt.

Der Forscher und sein Kollege Tomasz Stepinski vom Lunar and Planetary Institute in Houston nutzten für ihre Studie ein eigens entwickeltes Computerprogramm. Dieses ließen sie zunächst in topographischen Daten der Marsoberfläche nach U-förmigen Geländeeinschnitten suchen. Danach unterzogen sie den automatisch erstellten Atlas der Täler einer manuellen Inspektion und Korrektur.

Die so ermittelte Taldichte auf dem Mars beträgt durchschnittlich 0,062 Tal-Kilometer pro Quadratkilometer Fläche, berichten die Forscher im „Journal of Geophysical Research“. Dieser Wert liege bei etwa 40 Prozent des irdischen Wertes und damit deutlich höher als bislang angenommen, so Luo. „Das macht es schwierig, gegen die Erosion durch abfließendes Wasser als wichtigsten Bildungsmechanismus der Marstäler zu argumentieren.“

Mit bis zu 0,12 Kilometer pro Quadratkilometer besonders hoch ist die Taldichte in einem Gürtel, der sich um den Mars windet und den vergleichsweise glatten Norden vom rauen Süden trennt. Südlich dieses Gürtels finden sich immer weniger und immer flachere Täler, berichten Luo und Stepinski. Diese Verteilung spreche für die Existenz einer einzigen nördlichen Wassermasse, so die Forscher. Über diesem Ozean und über dem küstennahen Land dürfte es reichlich geregnet haben, während im Inneren der südlichen Landmasse wohl ein trockenes Wüstenklima herrschte.

Forschung: Wei Luo, Department of Geography, Northern Illinois University, DeKalb, und Tomasz F. Stepinski, Lunar and Planetary Institute, Houston, Texas

Veröffentlichung Journal of Geophysical Research – Planets, Vol. 114, E11010, DOI 10.1029/2009JE003357

WWW:
Wei Luo, Northern Illinois University
Tomasz Stepinski, Lunar and Planetary Institute
Mars
Mars Topography

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Alter Kontrast auf dem Mars


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