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Braune Zwerge im Entstehen

Bild zeigt zwei helle, rosa bis violett gefärbte Lichtflecken, eingebettet in einen dunkelblauen Halo vor schwarzem Hintergrund; darauf weisend zwei weiße Pfeile [1] Braune Zwerge werden mitunter als gescheiterte Sterne bezeichnet. Diese Bezeichnung ist durchaus treffend, zeigen Beobachtungen einer internationalen Astronomengruppe. Die Forscher konnten ein Paar Brauner Zwerge identifizieren, das sich noch im Stadium der Entstehung befindet. Dieser Prozess scheint auf ähnliche Weise abzulaufen wie bei leichten Sternen – und nicht etwa wie bei sehr massereichen Planeten.

Bild: NASA/JPL-Caltech/Calar Alto Obsv./Caltech Sub. Obsv.

Die beiden Protozwerge dürften leuchtschwächer und kühler sein als alle anderen bekannten Braunen Zwerge, erläutert David Barrado y Navascués vom Centro de Astrobiología in Madrid. Wie der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“ berichten, ist das ungewöhnliche Paar noch in eine dichte Wolke aus Gas und Staub gehüllt, gewissermaßen seine Geburtswolke.

Braune Zwerge besitzen weniger als 7 Prozent der Sonnenmasse und sind daher nicht in der Lage, in ihrem Inneren dauerhaft eine Kernfusion aufrechtzuerhalten. Nach ihrer raschen, hitzigen Entstehung verglimmen sie daher und sind für Astronomen deutlich schwerer auffindbar als ihre strahlenden Vettern. Nicht von ungefähr wurde der erste Braune Zwerg erst Mitte der 90er-Jahre identifiziert.

Barrado y Navascués und Kollegen machten sich auf die Suche nach besonders jungen Braunen Zwergen, um mehr über die Entstehung dieser Gebilde zu erfahren. Als Jagdrevier wählten sie eine Himmelsregion zwischen den Sternbildern Stier und Fuhrmann, rund 450 Lichtjahre von der Sonne entfernt, in der mehrere dichte Molekülwolken als Brutstätten stellarer Objekte liegen.

Tatsächlich fand sich auf Bildern des Weltraumteleskops Spitzer ein vielversprechender Kandidat – ein Objekt geringer Leuchtkraft in der Dunkelwolke Barnard 213, das von einer dichten Hülle aus Gas und Staub umgeben scheint. Weitere Beobachtungen am deutsch-spanischen Calar-Alto-Observatorium in Andalusien und an weiteren großen Teleskopen bestätigten, dass das Objekt mit der Bezeichnung SSTB213 J041757 die Eigenschaften eines angehenden Braunen Zwergs aufweist. Mehr noch: die hochauflösenden Infrarotbilder lassen vermuten, dass es aus gleich zwei, einander umkreisenden Protozwergen besteht.

Laut Barrado y Navascués und Kollegen braucht es nun weitere Beobachtungen, um die Natur des ungewöhnlichen Paares endgültig abzuklären und mehr Kandidaten für Braune Protozwerge zu finden. „Diese Geschichte entwickelt sich ganz allmählich“, so der Astronom. „Manchmal gibt die Natur ihre Geheimnisse nur zögerlich preis.“

Forschung: David Barrado y Navascués und Maria Morales Calderon, Centro de Astrobiología, CSIC-INTA, Madrid, und Spitzer Science Center, California Institute of Technology, Pasadena; Itziar de Gregorio Monsalvo und Linda Schmidtobreick, European Southern Observatory, Santiago de Chile; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics (im Erscheinen), DOI 10.1051/0004-6361/200912276

WWW:
Centro de Astrobiología [2]
Spitzer Space Telescope [3]
Calar Alto Astronomical Observatory [4]
Brown Dwarfs [5]
Taurus and Auriga [6]

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Kältester „Beinahe-Stern“ entdeckt [7]
Radio-aktive Braune Zwerge [8]