Posted in: Planeten, Sonnensystem 29. November 2009 19:29 Weiter lesen →

Titanische Klimazyklen

Zwei Globen zeigen Nord- und Südregionen des Titan, braune Streifen markieren abgetastete Bereiche, darin blaue Flecken Auf dem Saturnmond Titan gibt es große und tiefe Seen aus flüssigen Kohlenwasserstoffen. Diese Seen sind allerdings nicht gleichmäßig verteilt, belegt eine Analyse amerikanischer Forscher. Auf der nördlichen Halbkugel ist die Seenfläche gut zwanzig Mal größer als auf der südlichen. Ein möglicher Grund sind die vergleichsweise kurzen, aber intensiven Sommer im Süden des Titan.

In den nördlichen Regionen des Titan (links) gibt es mehr mutmaßliche Kohlenwasserstoff-Seen (blau) als in den südlichen. Bild: NASA/JPL/Caltech/University of Arizona/Cassini Imaging Team

Ein Teil des auf der Südhalbkugel verdunstenden Methans schlage sich letztlich in den Seen der Nordhalbkugel nieder, erläutert Oded Aharonson vom California Institute of Technology. Während des relativ milden Nordsommers werde dieser Verlust jedoch nicht vollständig wiederausgeglichen. „Unter dem Strich ergibt sich also ein Methantransport von Süden nach Norden.“

Aharonson und Kollegen analysierten Daten der Raumsonde Cassini, die seit 2004 um den Saturn kreist und immer wieder enge Vorbeiflüge an dessen Monden absolviert – regelmäßig auch am Titan mit seiner dichten Atmosphäre. Die bislang durchgeführten Radarabtastungen decken mehr als die Hälfte der Titanoberfläche ab und zeigen, dass gefüllte Seen auf der Nordhalbkugel gut 10 Prozent der Fläche einnehmen. Auf der Südhalbkugel sind es dagegen nur 0,4 Prozent, berichten die Forscher im Fachblatt „Nature Geoscience“.

Während eines Sommers sinke der Flüssigkeitsspiegel eines Sees aber bestenfalls um wenige Dezimeter, so die Forscher. Der Gang der Jahreszeiten könne das beobachtete Ungleichgewicht also nicht erklären. Ebenfalls gegen diese Ansicht spreche die Beobachtung, dass selbst teilweise gefüllte und mutmaßliche ausgetrocknete Seen im Norden deutlich häufiger seien als im Süden.

Die wahrscheinliche Erklärung für das Phänomen sehen die Forscher in der elliptischen Bahn des Saturn – und mit ihm seiner Monde – um die Sonne. Während seines Südsommers ist der Titan der Sonne daher deutlich näher als während seines Nordsommers. Die resultierenden Unterschiede in der Intensität der Sonneneinstrahlung und damit der Verdunstung lassen über die Zeit selbst Hunderte Meter tiefe Seen austrocknen, vermuten Aharonson und Kollegen.

Indem sich die Ellipse der Saturnbahn langsam um die Sonne dreht, dürfte der Schwerpunkt der Seenbedeckung jedoch alle 45.000 Jahre zwischen Nord- und Südhalbkugel pendeln – genügend Zeit, um ausgetrocknete Seebecken in der jeweils nicht begünstigten Hemisphäre erodieren zu lassen. Im Einklang mit diesem Szenario lägen die wenigen bekannten Einschlagkrater auf dem Titan in niedrigen Breiten, so die Forscher. Krater in höheren Breiten würden vermutlich rasch eingeebnet.

Forschung: Oded Aharonson, Alexander G. Hayes und Charles Elachi, Department of Geological and Planetary Sciences und Jet Propulsion Laboratory, California Institute of Technology, Pasadena; und andere

Veröffentlichung Nature Geoscience, 29. November 2009, DOI 10.1038/ngeo698

WWW:
Planetary Geomorphology, Oded Aharonson
Titan’s Lakes
Titan
Cassini-Huygens
Milankovitch Cycles and Glaciation

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Reichlich Propan auf Titan
Titanische Seenplatte


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