Posted in: Sterne, Technik 9. Dezember 2009 12:27 Weiter lesen →

Sternleiche rückt näher

Grafik eines bläulich glimmenden Materiestrudels um eine tiefschwarze Kugel, sternbesetzter Hintergrund Einer amerikanisch-niederländischen Astronomengruppe ist es erstmals gelungen, die Entfernung zu einem Schwarzen Loch direkt zu bestimmen. Gemessen an seinem scheinbaren „Taumeln“ im Laufe eines Erdjahres, ist das Objekt im Sternbild Schwan gut 7.800 Lichtjahre von der Sonne entfernt – nur etwa halb so weit wie vermutet.

Grafik: SRON

Bislang habe man die Entfernung zu solchen stellaren Schwarzen Löchern nur relativ grob schätzen können, schreiben die Forscher um James Miller-Jones vom National Radio Astronomical Observatory und Peter Jonker vom niederländischen Raumforschungsinstitut SRON im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“. Entsprechend vage sei das Wissen um ihre Eigenschaften und damit um ihre Entstehung.

Die Astronomengruppe studierte die Strahlungsquelle V404 Cygni. Hinter dem Objekt verbirgt sich sehr wahrscheinlich ein Schwarzes Loch, das von einem alternden Stern umkreist wird. Gelegentlich stürzen größere Materiemengen von diesem Begleitstern auf die extrem dichte Sternleiche und bewirken regelrechte Strahlungsausbrüche. Doch auch in seinen ruhigeren Phasen sendet das exotische Gespann etwas Radiostrahlung aus.

Die Forscher nutzten diesen Umstand und das astronomische Gegenstück zum Daumensprung, um die Entfernung zu V404 Cygni zu bestimmen. Mit einer Kette großer Radioteleskope, die von Hawaii bis in die Eifel reicht, bestimmten sie mehrmals im Laufe eines Jahres, wie die Strahlungsquelle scheinbar ihre Position vor dem Sternenhintergrund verändert, indem die Erde um die Sonne zieht.

Diese Parallaxe beträgt demnach 0,42 Millibogensekunden oder etwa 0,12 Millionstel Grad. Zusammen mit dem Radius der Erdbahn von rund 150 Millionen Kilometern ergibt sich damit ein Abstand von 7.800 Lichtjahren. Die Ungenauigkeit dieses Wertes beziffern die Astronomen auf 6 Prozent.

Frühere Schätzungen hatten eine Entfernung von etwa 13.000 Lichtjahren ergeben. Auf Basis des neuen, genaueren Wertes müssen einige Ansichten über das Schwarze Loch korrigiert werden, schreiben Miller-Jones, Jonker und Kollegen. Unter anderem eilt das Objekt mit einer Geschwindigkeit von „lediglich“ 40 Kilometern pro Sekunde durch die Scheibe der Milchstraße – eine Folge seiner gewaltsamen Entstehung bei einer Supernova-Explosion.

Forschung: James C. Miller-Jones, National Radio Astronomical Observatory, Charlottesville, Virginia; Peter G. Jonker, SRON – Netherlands Institute for Space Research, Utrecht; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 706, L230-L234, DOI 10.1088/0004-637X/706/2/L230; Preprint arXiv:0910.5253

WWW:
Homepage James Miller-Jones, NRAO
High Sensitivity Array
High Energy Astrophysics, SRON
Black Holes
Daumensprung

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