Posted in: Exoplaneten, Sterne 16. Dezember 2009 01:01 Weiter lesen →

Planet bei „explosivem“ Doppelstern entdeckt

Grafik zeigt kleinen weißen Lichtfleck neben einem tiefroten, brodelnden Gasball, in einigem Abstand ein Gasriese, Umlaufbahnen durch grüne Kreise angedeutet Einen Planeten mit zwei Sonnen haben chinesische Astronomen in der galaktischen Nachbarschaft der Erde entdeckt. Die ferne Welt zieht eine weite Bahn um zwei kleine Sterne, die sich in extrem geringem Abstand umkreisen und in nicht allzu ferner Zukunft einen gewaltigen Strahlungsausbruch produzieren werden.

Grafik: Copyright Shengbang Qian, National Astronomical Observatories, Chinese Academy of Sciences

„Wissenschaftler sollten dieses System in den kommenden Jahrzehnten im Auge behalten“, erklärt Shengbang Qian von der Sternwarte Yunnan der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. „Im Voraus zu wissen, dass sich hier ein kataklysmischer Veränderlicher bilden wird, und das Schicksal des ihn umlaufenden Planeten studieren zu können, das stellt eine einmalige Gelegenheit dar.“

Die Existenz des fernen Planeten verrät sich in einem minimalen Schneller- und Langsamerwerden eines himmlischen Metronoms, des Binärsystems QS Virginis. Knapp 157 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild Jungfrau gelegen, besteht das System aus einem Weißen Zwerg und einem Roten Zwergstern, die sich alle 3,5 Stunden im Abstand von lediglich 840.000 Kilometern umkreisen.

Von der Erde aus betrachtet, verschwindet bei diesem Tanz der Weiße Zwerg hinter seinem Partner, sodass die Helligkeit des Systems alle 3,5 Stunden jäh abfällt und wieder steigt. Qian und Kollegen vermaßen diesen Rhythmus sehr genau und fanden, dass die „Verfinsterungen“ mal etwas früher und mal etwas später eintreten als erwartet.

Offenbar taumelt das ferne Duo minimal hin und her, folgern die Forscher in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“. Der Effekt lässt sich auf den Schwerkraftzug eines großen Planeten mit mindestens 6,4 Jupitermassen zurückführen, der im Abstand von 630 Millionen Kilometern vergleichsweise gemächlich um das enge stellare Paar zieht.

Am Himmel über dem fernen Exoplaneten dürfte sich das ungewöhnliche Duo als schwache weißliche bzw. rötliche Punkte abzeichnen. Das Bild dürfte sich, nach kosmischen Maßstäben gemessen, schon bald ändern. Der Tanz der beiden stellaren Objekte wird allmählich immer enger und schneller. Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem der dichte Weiße Zwerg Wasserstoff von seinem weniger kompakten Begleiter abzieht. Und sobald dieses „erbeutete“ Gas auf seiner Oberfläche ausreichend heiß und dicht ist, setzt darin die Kernfusion ein und der Weiße Zwerg erstrahlt als Nova, als stellares Gegenstück zur Wasserstoffbombe.

Forschung: Shengbang Qian, National Astronomical Observatories/Yunnan Observatory, und Laboratory for the Structure and Evolution of Celestial Bodies, Chinese Academy of Science, Kunming; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society: Letters, DOI 10.1111/j.1745-3933.2009.00780.x

WWW:
Yunnan Astronomical Observatory, CAS
Katasklymische Veränderliche
Extrasolar Planets Encyclopaedia

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Vierfacher Sonnenaufgang


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