Posted in: Mond, Sonnensystem 17. Dezember 2009 16:19 Weiter lesen →

Frostige Mondpole

Ausschnitt aus einer Temperaturkarte zeigt die Krater am Nordpol des Mondes mit grünlichen Wällen und bläulich bis violetten Böden Um an den kältesten bekannten Fleck im Sonnensystem zu gelangen, müsste man nicht allzu weit reisen. Amerikanische Forscher haben ermittelt, dass die Temperatur in den Kratern am Nordpol des Mondes auf minus 248 Grad Celsius fallen kann – lediglich 25 Grad über dem absoluten Nullpunkt.

Bild: NASA/GSFC/UCLA

„Dies sind die tiefsten Temperaturen, die jemals im Sonnensystem gemessen worden sind“, erklärt David Paige von der University of California in Los Angeles. Die neuen Daten bekräftigten die Ansicht, dass die Krater als Kältefallen für Wasser, Kohlendioxid und für organische Verbindungen fungieren könnten. „Dort könnte eine ganze Reihe interessanter Verbindungen festgesetzt sein“, so der Astronom.

Die neuen Temperaturdaten stammen von der Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter. Die Sonde kreist seit Juni dieses Jahres auf einer sehr niedrigen Umlaufbahn um den Mond und kartiert dessen Oberfläche. Dabei kommt unter anderem das Instrument Diviner zum Einsatz, das sichtbares und infrarotes Licht registriert und so Rückschlüsse über die Zusammensetzung und die Temperatur der Mondoberfläche ermöglicht.

Paige und Kollegen analysierten Daten, die das Diviner-Instrument im Oktober gesammelt hatte, zur Zeit der Sommer-Sonnenwende auf der Südhalbkugel des Mondes. Trotz der „hochsommerlichen“ Bedingungen herrschten in der Südpolregion stellenweise extrem frostige Bedingungen.

In einigen kleineren Kratern, die im Innern größerer Krater liegen und deren Boden daher gleich doppelt abgeschattet wird, erreichten die Temperaturen lediglich minus 238 Grad Celsius. In der „winterlichen“ Nordpolregion lagen die Extremwerte sogar noch niedriger, berichten die Forscher auf einer Fachtagung in San Francisco. Für den Boden des großen Kraters Hermite ermittelten sie einen Wert von minus 248 Grad.

„Zum Vergleich: um im Sonnensystem Objekte mit einer derart niedrigen Oberflächentemperatur zu finden, müsste man weit über den Kuipergürtel hinaus reisen“, so die Forscher. Zwar dürften die Temperaturen einige Millimeter unter der Mondoberfläche etwas höher liegen, da der Boden im „Sommer“ aufgeheizt worden sei. Insgesamt zeigten die Diviner-Messungen aber, dass große Flächen auf dem Mond genügend kalt seien, um Wasser auf Milliarden Jahre festzusetzen.

Forschung: Jo Ann Zhang und David A. Paige, Department of Earth and Space Sciences, University of California, Los Angeles; und andere

Präsentation auf dem 2009 Fall Meeting of the American Geophysical Union, San Francisco; #U31A-0021

WWW:
Lunar Reconnaissance Orbiter
Diviner Lunar Radiometer Experiment
The Moon

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