Posted in: Planeten 4. Januar 2010 14:23 Weiter lesen →

Tauwetter auf dem Mars

Reliefbild zeigt flache Region mit großen, flachen Vertiefungen, Einschub zeigt bogenförmigen Kanal zwischen zweien Auf dem Mars könnte es mehrmals offene Wasserflächen gegeben haben. Entsprechende Hinweise haben englische Forscher in rund drei Milliarden Jahre altem Terrain in der Äquatorregion des roten Planeten gefunden. Einige der dortigen, mutmaßlichen Einsturzkrater sind durch gewundene Kanäle verbunden, die nur auf fließendes Wasser zurückgehen können.

Bilder: Mullard Space Science Laboratory, University College London

Offenbar sei das geologische „Mittelalter“ des Mars, das Hesperium, interessanter und dynamischer gewesen als bislang vermutet, folgert Nicholas Warner vom Imperial College London. „Die Wissenschaft hat dem Hesperium nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet, weil allgemein angenommen wurde, dass der Mars zu jener Zeit eine frostige Ödnis war.“

Warner und seine Kollegen analysierten Bilder der Sonde Mars Reconnaissance Orbiter. Diese zeigen in der Nähe eines riesigen Tals, des Ares Vallis, mehrere flache Vertiefungen mit Abmessungen von vielen Kilometern. Eine Hypothese zur Entstehung dieser Gebilde lautet, dass Wassereis im Untergrund direkt in den gasförmigen Zustand überging und die resultierenden Hohlräume in der Folge einstürzten.

Die neu entdeckten Kanäle zeichnen jedoch ein anderes Bild, glauben die Forscher. Vermutlich sei die Marsatmosphäre vorübergehend relativ dicht und warm gewesen, sodass das Eis nicht sublimiert, sondern geschmolzen sei. Daher hätten sich die Vertiefungen allmählich mit Schmelzwasser füllen können und seien schließlich übergelaufen. Für ein solches Szenario spreche auch die Ähnlichkeit mit irdischen Thermokarstseen in Sibirien und Alaska, schreiben die Forscher im Fachblatt „Geology“. Nach der Auszählung von rund 35.000 Einschlagkratern in der Region schätzen sie das Alter des Terrains auf etwa drei Milliarden Jahre.

Wie lange die Seen Bestand hatten und ob sie sich auch andernorts auf dem Mars bildeten, ist noch unbekannt. Ebenfalls unklar ist der Auslöser der feuchten Episoden – mögliche Ursachen sehen die Forscher in vulkanischer Aktivität, Meteoriteneinschlägen und Veränderungen der Umlaufbahn bzw. Lage des Mars im Raum. In jedem Fall könnten die einstigen Seen interessante Untersuchungsobjekte für künftige Marsmissionen abgeben, ist Warner überzeugt.

Forschung: Sanjeev Gupta und Nicholas Warner, Department of Earth Science and Engineering, Imperial College London; Jung-Rack Kim, Shih-Yuan Lin und Jan-Peter Muller, Mullard Space Science Laboratory, University College London, Dorking

Veröffentlichung Geology, Vol. 38(1), Januar 2010, pp 71-4

WWW:
Earth Science and Engineering, Imperial College London
Mullard Space Science Laboratory, University College London
Mars
Ares Vallis
Mars Reconnaissance Orbiter
Phasendiagramm von Wasser

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Markrater stand zwei Mal unter Wasser
Marskrater mit Eisstrom


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