Posted in: Galaxien 5. Januar 2010 15:52 Weiter lesen →

Galaktisches „Gasgebläse“

Grafik zeigt weißlich-blaue Scheibe und zwei Flecken gleicher Farbe, verbunden durch einen weit geschwungenen, rötlichen Bogen Eine explosionsartige Sternentstehung ist womöglich der Grund dafür, dass die Milchstraße und zwei ihrer Nachbargalaxien durch einen Strom aus Gas verbunden sind. Entsprechende Resultate präsentiert eine amerikanisch-niederländische Astronomengruppe auf einer Fachtagung in Washington. Ihren Beobachtungen zufolge, ist der Magellansche Strom deutlich länger und älter als bislang angenommen.

Die Kombination aus optischer Aufnahme und Radiobild zeigt die Ebene der Milchstraße als weiß-bläuliche Scheibe, davor in Rot der Wasserstoff des Magellanschen Stroms, entspringend bei den beiden Magellanschen Wolken. Grafik: Nidever, et al., NRAO/AUI/NSF and Meilinger, Leiden-Argentine-Bonn Survey, Parkes Observatory, Westerbork Observatory, Arecibo Observatory

Der Strom könnte sich vor 2,5 Milliarden Jahren gebildet haben, als die zwei Magellanschen Wolken einander in geringem Abstand passierten, vermutet David Niveder von der University of Virginia. Dabei sei vielleicht eine schlagartige Bildung neuer Sterne in der größeren der beiden Galaxien ausgelöst worden, so der Forscher. „Die starken Sternwinde und Supernova-Explosionen infolge dieser jähen Sternentstehung könnten das Gas hinweggefegt und auf den Weg gen Milchstraße gebracht haben.“

Erste Hinweise auf die Existenz des Magellanschen Stroms waren in den 70er-Jahren entdeckt worden. Seine Gestalt und der Grund für seine Entstehung sind jedoch immer noch unklar. Niveder und Kollegen nahmen den intergalaktischen Strom mit dem riesigen Green-Bank-Radioteleskop genauer unter die Lupe. Zudem nutzten sie eine umfassende Karte des galaktischen Wasserstoffs, die im Rahmen eines internationalen Kartierungsprojektes erstellt worden war. Der Gasstrom überspannt demnach einen Winkel von mindestens 140 Grad am Himmel und ist damit rund 40 Prozent länger als bislang angenommen.

Die Forscher fanden, dass der Strom tatsächlich aus zwei Filamenten besteht, in denen sich das Gas mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegt. Mindestens eines dieser Filamente scheint in einer Region der Großen Magellanschen Wolke zu entspringen, die bereits früher aufgrund ihrer hohen Dichte an Wasserstoffgas aufgefallen war. Damit nicht genug, variiert die Strömung in den beiden Filamenten in einem Takt, den ihr die Eigendrehung der Großen Magellanschen Wolke aufgeprägt haben könnte.

Die neuen Daten passten gut zu früheren Beobachtungsresultaten, ergänzt Niveders Kollege Steven Majewski. Ein alternatives Szenario, dem zufolge der Gasstrom auf eine enge Begegnung zwischen der Milchstraße und den Magellanschen Wolken zurückgehe, werde dagegen durch neuere Simulationen infrage gestellt.

Forschung: David L. Nidever und Steven R. Majewski, Department of Astronomy, University of Virginia, Charlotteville; W. Butler Burton, National Radio Astronomical Observatory, Green Bank, West Virginia, und Sterrewacht Leiden, Universiteit Leiden

Präsentation auf dem 215th Meeting of the American Astronomical Society, Washington, D.C., #318.03D

WWW:
Department of Astronomy, University of Virginia
Magellanic Stream
Green Bank Telescope
LAB Galactic H I Survey

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