Posted in: Galaxien, Sterne 6. Januar 2010 18:49 Weiter lesen →

Wärme lässt Schwarzes Loch hungern

In Farben übersetzte Röntgenaufnahme zeigt rötliche Wolken, gruppiert um eine Ansammlung blau bis weißlich glimmender Gaswolken, vor schwarzem Hintergrund Von gelegentlichen Strahlungsausbrüchen abgesehen, scheint sich das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße eher ruhig zu verhalten. Eine Erklärung für diese Friedfertigkeit glauben amerikanische Astrophysiker gefunden zu haben. Die nahe des Schwerkraftmonsters freigesetzte Wärme könnte den Druck in der Umgebung erhöhen und so den Zustrom von „Futter“ drosseln.

Die Daten für die Chandra-Aufnahme wurden über einen Zeitraum von rund zehn Jahren gesammelt, die Farben entsprechen verschiedenen Röntgenenergien. Bild: NASA/CXC/MIT/F.K. Baganoff et al.

Dieser Effekt mache verständlich, dass von dem Teilchenwind der Sterne im Milchstraßenzentrum letztlich nur etwa ein hundertstel Prozent in das Schwarze Loch stürze, berichten die Forscher um Roman Shcherbakov vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics auf einer Fachtagung in Washington.

Eine Reihe von Beobachtungen lässt vermuten, dass das Milchstraßenzentrum, rund 27.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild des Schützen gelegen, ein Schwarzes Loch mit einer Masse von etwa vier Millionen Sonnen birgt. Der Teilchenwind von den Sternen in der Umgebung sollte eigentlich genügend Nachschub für einen heißen, stetig strahlenden Materiestrudel um die Schwerkraftfalle liefern.

Shcherbakov und Kollegen verglichen eine insgesamt zwei Wochen lang „belichtete“ Aufnahme der Zentralregion der Milchstraße, die das Weltraumteleskop Chandra gemacht hatte, mit den Vorhersagen eines theoretischen Modells. Dieses Modell berücksichtigt, dass Wärme aus der Nähe des Schwarzen Lochs durch Stöße zwischen Gasteilchen nach außen bis in den Bereich der nächstgelegenen Sterne geleitet wird.

Die Wärmeleitung sollte die Temperatur und damit den Gasdruck in diesem Bereich steigen lassen, sodass der Großteil des Sternwindes von dem Schwarzen Loch weggedrückt wird. Tatsächlich passt das von dem Modell vorhergesagte Strahlungsprofil gut zu dem von Chandra beobachteten, so die Forscher. Einige extrem heiße Gaswolken, die sich auf der Aufnahme abzeichneten, belegten allerdings, dass mitunter größere Materieklumpen zu dem Schwarzen Loch gelangten und vor ihrem Verschwinden intensive Strahlung aussendeten.

Forschung: Roman Shcherbakov und Robert Penna, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, und Frederick K. Baganoff, Kavli Institute for Astrophysics and Space Research, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge

Präsentation auf dem 215th Meeting of the American Astronomical Society, Washington, D.C., #310.03

WWW:
Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics
Kavli Institute for Astrophysics and Space Research, MIT
Black Holes
Chandra

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Neues vom schwarzen Herz der Milchstraße
Lichtecho aus dem Herz der Milchstraße
Sternentstehung nahe Schwarzem Loch


Posted in: Galaxien, Sterne
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (10 Bewertungen, im Schnitt 4,80 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.