Posted in: Sterne 27. Januar 2010 17:10 Weiter lesen →

Die Geburt eines stellaren Riesenbabys

Grafik eines gleißend hellen Sterns, von seinen Polen ausgehende Ströme, umgeben von einem gelb-rötlichen Strudel, umgeben von einem braun-gräulichen, wolkigen Torus Ungeachtet aller Größenunterschiede, verläuft die Geburt massereicher Sterne ähnlich wie die kleinerer Pendants. Diese Ansicht bekräftigen Beobachtungen einer englisch-amerikanischen Forschergruppe. In der Umgebung eines stellaren Riesenbabys mit mindestens dem Zehnfachen der Sonnenmasse konnten sie Strukturen nachweisen, wie sie bereits von weniger massigen Sternen bekannt sind.

Grafik: Gemini Observatory, Artwork by Lynette Cook

„Das Problem liegt darin, dass die Entstehung der massereichsten Sterne sehr schnell abläuft, verglichen mit Sternen ähnlich unserer Sonne“, erklärt Ben Davies von der Universität Leeds. Die für Astronomen besonders interessante Frühphase könne daher abgeschlossen sein, noch bevor sich ein stellares Schwergewicht aus den dichten Resten seiner Geburtswolke geschält habe.

Davies und Kollegen gelang es nun, durch den Kokon um den jungen massereichen Stern W33A zu spähen und Details darin zu erkennen. Die Astronomen nutzten dazu ein hochgezüchtetes Feldspektrometer am Gemini-Teleskop auf Hawaii. Das Instrument nimmt Infrarotspektren des Sichtfeldes mit einer räumlichen Auflösung von etwa 0,1 Bogensekunden auf. Anhand dieser Daten konnten die Forscher auf die Verteilung verschiedener Atome bzw. Moleküle im Innern der Gashülle und auf deren Bewegung schließen.

Die Ergebnisse beschreibt Davies‘ Kollege Melvin Hoare als „angenehm vertraut, wie ein bequemes Paar Schuhe“. Um den Protostern in W33A dreht sich eine Scheibe aus Gas und Staub, aus der laufend weiteres Material auf den Stern stürzt. Außerhalb dieser Akkretionsscheibe findet sich ein regelrecht aufgeblähter, ebenfalls rotierender Torus aus Gas. Von den Polen des jungen Sterns gehen wiederum Strahlströme aus, in denen ein Teil des aufgefangenen Materials ins All geschleudert wird.

Laut Davies und Kollegen stehen die Beobachtungen im Einklang mit verschiedenen Modellrechnungen. Demnach können massereiche Protosterne auch dann noch Material auflesen, wenn sie bereits intensiv strahlen und damit einen starken Strahlungsdruck auf ihre Umgebung ausüben. W33A könnte auf diese Weise noch kräftig zulegen: die Forscher schätzen die Masse innerhalb des Torus auf das 15-Fache der Sonnenmasse.

Forschung: Ben Davies, Melvin Hoare und Willem-Jan de Wit, School of Physics and Astronomy, University of Leeds, und Carlson Center for Imaging Science, Rochester Institute of Technology, Rochester, New York; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arXiv:0911.4592

WWW:
Astrophysics Group, University of Leeds
Gemini Observatory: NIFS
Star Formation and Evolution

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Geburt eines Sterngiganten


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