Posted in: Galaxien 10. Februar 2010 12:46 Weiter lesen →

Neue Karte der galaktischen Nachbarschaft

Grafik zeigt dunkle Flecken, ein helles, ausgefranst wirkendes Zentrum umgebend Der Raum zwischen den Sternen ist nicht völlig leer, sondern von einem mehr oder weniger dichten Gas erfüllt. Die bislang genaueste Karte dieses interstellaren Materials haben amerikanische und französische Forscher erstellt. Berechnet auf Basis mehrerer Hundert Einzelbeobachtungen, zeigt sie die galaktische Umgebung der Sonne als 500 Lichtjahre große Blase dünnen Gases, die von einem Ringwall aus dichterem, kühlen Gas umgeben ist.

Von oberhalb der Milchstraßenebene betrachtet, bildet das dichtere Gas (dunkle Flecken) einen Ringwall um die „Lokale Blase“. Grafik: Welsh et al., Astronomy & Astrophysics

Von diesem Wall ragen zahlreiche dichte Gasfinger ins Innere der „Lokalen Blase“ und verleihen ihr eine unregelmäßige Gestalt, ermittelten die Forscher um Barry Welsh von der University of California in Berkeley und Rosine Lallement an der Université Versailles St-Quentin. Im Gegenzug ist die Blase über regelrechte Tunnel mit benachbarten Pendants verbunden, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“.

Die Astronomen nutzten Teleskope in fünf Ländern, um Lichtspektren von jungen Sternen in der galaktischen Nachbarschaft der Sonne aufzunehmen. Besonders interessierten sie sich für kleine „Dellen“ in den Spektren, die auf die Lichtabsorption neutraler Natrium- und einfach ionisierter Calciumatome im interstellaren Raum zurückgehen.

Anhand der Tiefe und der Breite dieser Absorptionslinien schlossen die Forscher auf die Dichte und die Bewegung kühlen bzw. warmen Gases in der jeweiligen Sichtlinie. Auf Basis von mehr als 1.800 Sichtlinien erstellten sie ein Modell der Gasverteilung in einem Würfel mit knapp 2.000 Lichtjahren Kantenlänge und der Sonne als Zentrum.

Die neue Karte könnte helfen, mehr über die Wechselwirkung von Sternen und interstellarem Material zu erfahren, so Welsh, Lallement und Kollegen. Besonders interessant sei die Frage nach der Entstehung der „Lokalen Blase“. Eine mögliche Erklärung liegt in einer Reihe von Supernova-Explosionen, die sich in den letzten 15 Millionen Jahren in der Nachbarschaft der Sonne ereignet haben.

Forschung: Barry Y. Welsh, Space Sciences Laboratory, University of California, Berkeley; Rosine Lallement und Severine Raimond, Laboratoire Atmosphères, Milieux, Observations Spatiales (LATMOS-IPSL), Université Versailles St-Quentin, Verrières-le-Buisson; Jean-Luc Vergely, ACRI-ST, Sofia-Antipolis

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, Vol. 510, A54, DOI 10.1051/0004-6361/200913202

WWW:
Space Sciences Laboratory, UC Berkeley
Département HEPPI, LATMOS
The Local Bubble and the Galactic Neighborhood

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