Posted in: Galaxien 12. Februar 2010 13:50 Weiter lesen →

Quasar blitzt durch Galaxie

Bild zeigt Andromedagalaxie als große, flache, leuchtende Scheibe, zwei Vergrößerungen gehen zu einem Lichtpunkt inmitten anderer Lichtpunkte über Am Nachthimmel gehört nicht immer zusammen, was nahe beieinander steht. So geschehen im Falle eines Strahlungsausbruchs, der sich scheinbar in einer Nachbargalaxie der Milchstraße ereignet hatte. Deutsche Astronomen haben ermittelt, dass der Ursprung der Strahlung tatsächlich einige Tausend Mal weiter entfernt lag. Vermutlich handelte es sich um einen massereichen Stern, der im Zentrum einer Hintergrundgalaxie förmlich zerrissen wurde.

Bild: TLS Tautenburg

Solche spektakulären Ereignisse seien in mehrfacher Hinsicht interessant, betonen die Forscher um Helmut Meusinger von der Thüringer Landessternwarte Tautenburg und Wolfgang Pietsch vom Garchinger Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Einerseits verrieten sie mehr über die Vorgänge in den Zentren großer Galaxien. Andererseits könnten sie gewissermaßen als Hintergrundbeleuchtung genutzt werden, um näher gelegene Objekte zu studieren.

Der von den Forschern untersuchte Strahlungsausbruch hatte sich im Jahr 1992 in der Andromeda-Galaxie ereignet, rund 2,5 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt. Nach seinen Koordinaten kurz als J004457+4123 bezeichnet, war er zunächst auf eine Kernexplosion an der Oberfläche eines Sterns zurückgeführt worden, die einen ungewöhnlichen Helligkeitsverlauf aufwies. Einige Jahre später angestellte Röntgenbeobachtungen nährten den Verdacht, dass es sich um ein gänzlich anderes Objekt handelte.

Durch detektivische Fleißarbeit konnten Meusinger, Pietsch und Kollegen diese Vermutung bestätigen. Die Forscher durchforsteten astronomische Archive in mehreren Ländern nach fotografischen Platten, die den fraglichen Bereich in Andromeda zeigen. Lohn der Mühe waren mehr als 1.100 Einzelbeobachtungen aus dem Zeitraum 1948 bis 2009. Fast alle zeigen an der Position des Strahlungsausbruchs einen unscheinbaren Lichtpunkt. Lediglich im Jahr 1992 wurde der Punkt jäh um den Faktor 20 heller, um in den folgenden Monaten wieder zu verblassen. Ein eigens aufgenommenes Lichtspektrum des Punkts zeigt zudem große Ähnlichkeit mit dem von Quasaren, weit entfernten Galaxien mit intensiv strahlenden Zentren.

Die Forscher folgern, dass die Strahlung aus einer mehrere Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie stammt, deren Zentrum ein Schwarzes Loch mit mehreren hundert Millionen Sonnenmassen birgt. Der Helligkeitsverlauf des Ausbruchs lässt sich am ehesten durch einen massereichen Stern erklären, der beinahe frontal auf das Schwarze Loch zu stürzte und in dessen Schwerkraftgefälle zerrissen wurde. Eine alternative Erklärung wäre, dass ein Stern in Andromeda kurzzeitig als „Brennglas“ für das Licht eines Hintergrundobjekts fungierte. Diese Erklärung passt jedoch weniger gut zu den Beobachtungsdaten.

Forschung: Helmut Meusinger, Thüringer Landessternwarte Tautenburg, Tautenburg; Martin Henze und Wolfgang Pietsch, Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching; Kurt Birkle, Max-Planck-Institut für Astronomie und Landessternwarte Heidelberg, Heidelberg; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astronomy & Astrophysics; Preprint arXiv:1001.2991

WWW:
Thüringer Landessternwarte Tautenburg
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Messier 31, Andromeda Galaxy
Active Galaxies and Quasars
Arbeitsalltag: Welcher Stern soll das denn sein?

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