Posted in: Exoplaneten 18. Februar 2010 14:02 Weiter lesen →

Jüngster Exoplanet entdeckt

Grafik zeigt pastellfarbenen Planet mit Wolkenbändern dicht über einem gelbroten, brodelnden Stern mit großer Protuberanz Eher zufällig haben spanische und englische Astronominnen den jüngsten Planeten eines fernen Sterns entdeckt. Bei der Analyse des Sternenlichts fanden sie regelmäßige Schwankungen, die auf einen massereichen Begleiter auf einer sehr engen Umlaufbahn zurückgehen dürften.

Grafik: Magdalena Hernán Obispo

Die bislang nachgewiesenen Exoplaneten kreisten um Sterne, die typischerweise mehr als eine Milliarde Jahre alt seien und sich vergleichsweise gutmütig verhielten, erläutert die Gruppe um Magdalena Hernán Obispo von der Universidad Complutense de Madrid und Maria Cruz Gálvez Ortiz von der University of Hertfordshire. Das unruhige Zentralgestirn des jetzt entdeckten Planeten sei dagegen nur etwa 35 Millionen Jahre alt.

„Um junge Sterne kreisende Planeten sind besonders wertvoll, weil sie es uns ermöglichen, einige wichtige Fragen zur Entstehung von Sternen und Planetensystemen zu klären“, so die Astronominnen. Dazu gehörten etwa die Frage, wie und in welcher Phase sich Planeten bildeten und wie ihre weitere Entwicklung verlaufe.

Der junge Stern mit der Bezeichnung BD+20 1790 ist rund 80 Lichtjahre von der Sonne entfernt und etwas kleiner und kühler als diese. Seinem geringen Alter entsprechend, produziert er immense Strahlungsausbrüche und Protuberanzen. Beim Studium der resultierenden Veränderungen der Helligkeit und im Lichtspektrum des Sterns fanden die Forscherinnen einen Takt von 2,8 Tagen, der vermutlich auf die Drehung des Sterns um seine eigene Achse zurückgeht. Daneben ließ sich aber noch ein weiterer, langsamerer Takt erahnen.

Das Lichtspektrum des Sterns wird demnach alle 7,8 Tage etwas „röter“ und wieder „blauer“ – ein Effekt, der ein leichtes Taumeln des Sterns und damit den Schwerkraftzug eines Planeten anzeigen könnte. Hernán Obispo und Kolleginnen gingen diesem Verdacht nach, indem sie mit Teleskopen auf der Kanareninsel La Palma und auf dem spanischen Festland hochauflösende Spektren des Sterns aufnahmen.

Die statistische Auswertung der Beobachtungsdaten bestätigte die Existenz der langsamen Schwankungen und zeigte, dass diese unabhängig von der starken Aktivität des jungen Sterns sind. Am ehesten lassen sie sich durch einen Planeten von etwa 6,5 Jupitermassen erklären, der in einem Sechzehntel des Abstandes Erde-Sonne um sein Zentralgestirn rast. Angesichts dieser Werte halten es die Forscherinnen für möglich, dass der Schwerkraftzug des Planeten die Aktivität seines Sterns zusätzlich anfacht.

Forschung: M. Magdalena Hernán Obispo und Manuel Cornide, Departamento de Astrofísica y Ciencias de la Atmósfera, Universidad Complutense de Madrid; Maria Cruz Gálvez Ortiz, Centre for Astrophysics Research, University of Hertfordshire, Hatfield; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, DOI 10.1051/0004-6361/200811000 (im Erscheinen); Preprint arXiv:0912.2773

WWW:
Departamento de Astrofísica, UC Madrid
Centre for Astrophysics Research, University of Hertfordshire
Extrasolar Planets Encyclopaedia
Collapsing Clouds of Gas and Dust

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Exoplanet hat Stern an der Kandare


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