Posted in: Galaxien, Sterne 24. Februar 2010 07:46 Weiter lesen →

Der Galaxis‘ reiche Beute

Aufnahme eines Kugelsternhaufens als dichtem Schwarm von Sternen Etwa jeder vierte Kugelsternhaufen in der Milchstraße gehörte ursprünglich zu einer anderen Galaxie. Zu diesem Schluss kommt ein australisch-kanadisches Astronomenduo nach der Analyse einer eigens angelegten Datenbank. Gemessen an ihrer Zusammensetzung, sind demnach viele der dichten Sternschwärme Überreste kleinerer Galaxien, die sich die Milchstraße im Laufe der Zeit einverleibt hat.

Kompakte Kugelsternhaufen wie Messier 80 können dank ihres festen Zusammenhalts auch turbulente Zeiten überstehen. Bild: NASA/The Hubble Heritage Team/STScI/AURA

„Wie sich jetzt zeigt, sind viele der Sterne und Kugelsternhaufen, die wir beim Blick in den Nachthimmel sehen, nicht etwa Eingeborene, sondern Einwanderer aus anderen Galaxien“, erklärt Duncan Forbes von der Swinburne University of Technology in Melbourne. „Erst in den letzten Jahrmilliarden haben sie den Weg in unsere Galaxis gefunden.“

Astronomen nehmen an, dass es Galaxien wie die Milchstraße zu ihrer stattlichen Größe brachten, indem sie kleine Galaxien schluckten. Forbes und sein Kollege Terry Bridges von der Queen’s University gingen nun der Vermutung nach, dass kompakte, aus Hunderttausenden Sternen bestehende Kugelsternhaufen diesen Prozess als Ganzes überdauern können – selbst dann, wenn ihre Heimatgalaxie in dessen Verlauf vollständig zerrissen wird.

Die beiden Astronomen trugen Beobachtungsdaten über insgesamt 93 Kugelsternhaufen der Milchstraße zusammen, die mehrere Forschergruppen in den letzten Jahren veröffentlich hatten. Anhand der Lichtspektren schätzten sie nicht nur das Alter der Objekte ab, sondern auch deren Gehalt an schwereren Elementen – gewissermaßen ein chemischer Herkunftsnachweis.

Auf Basis dieser Faktoren schätzen Forbes und Bridges, dass die Milchstraße mindestens 27 Kugelsternhaufen mit zusammen rund 100 Millionen Sternen enthält, die sich ursprünglich in sechs bis acht Zwerggalaxien befanden und deren Assimilation einigermaßen intakt überstanden haben.

Offenbar habe die Milchstraße in der Vergangenheit mehr Beute gemacht als bislang angenommen, so Forbes weiter. „Bislang haben Astronomen zwei vereinnahmte Zwerggalaxien in unserer Galaxis nachweisen können. Unsere Arbeit lässt vermuten, dass mindestens sechs weitere der Entdeckung harren.“

Forschung: Duncan A. Forbes, Centre for Astrophysics and Supercomputing, Swinburne University of Technology, Melbourne, und Terry Bridges, Astronomy Research Group, Queen’s University, Kingston

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arXiv:1001.4289

WWW:
Centre for Astrophysics and Supercomputing, Swinburne UT
Queen’s University Astronomy Research Group
Sternhaufen – Wo Tausend Sternlein steh’n
Atlas of the Universe: The Satellite Galaxies

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