Posted in: Exoplaneten 24. Februar 2010 19:00 Weiter lesen →

Exoplanet wird ausgesaugt

Ein kürzlich entdeckter Exoplanet wird von seinem Stern allmählich ausgesaugt, vermuten chinesische und amerikanische Astronomen. Ihren Berechnungen zufolge, wird der Planet von Gezeitenkräften so stark durchgeknetet, dass sich seine Atmosphäre bis zu jenem Punkt ausdehnt, an dem sie in den Griff des Sterns gerät.

Grafik: NASA-Jet Propulsion Laboratory

Als Folge könnte der Exoplanet mit der Bezeichnung WASP-12b jährlich einige Hunderttausendstel der Erdmasse verlieren, schätzen die Forscher um Shulin Li von der Peking University im Magazin „Nature“. Ein Teil dieses Materials würde sich in einer schemenhaften Scheibe um das Zentralgestirn ansammeln, deren schwaches Glimmen mit irdischen Instrumenten gerade noch nachweisbar sein könnte.

WASP-12b war im Jahr 2008 entdeckt worden und gilt als Extremist unter den bekannten Exoplaneten. Der Planet kreuzt auf seiner Umlaufbahn die Sichtlinie zur Erde und bewirkt auf diese Weise regelmäßige minimale Verdunkelungen seines Sterns. Die Vermessung dieser „Sternfinsternisse“ hatte ergeben, dass es sich bei dem Planeten um einen Gasriesen handelt, der 40 Prozent mehr Masse besitzt als der Jupiter, mit einem 80 Prozent größeren Radius jedoch geradezu aufgebläht erscheint.

Zwar läuft der Exoplanet in extrem geringem Abstand um sein Gestirn. Die hohe Strahlungsintensität könne den aufgeblähten Zustand jedoch nicht erklären, so Li und Kollegen. Nach Ansicht der Forscher geht das Phänomen vielmehr auf starke Gezeitenkräfte zurück, denen der Planet auf seiner leicht elliptischen Bahn ausgesetzt ist und die sein Inneres regelrecht durchwalken.

Als Folge könnte sich die Gashülle des Planeten bis zu jenem Punkt ausdehnen, an dem sich Gravitations- und Fliehkräfte gerade aufheben, und in den „Schwerkrafttopf“ des Sterns überlaufen. In dem resultierenden Druckgefälle würde laufend Gas nachströmen, sodass WASP-12b stetig Masse verliert.

Unklar ist, warum die Umlaufbahn des Planeten nicht schon längst eine kreisrunde Gestalt angenommen hat, wie es bei anderen „Heißen Jupitern“ beobachtet worden ist. Eine mögliche Erklärung ist die Schwerkraft eines zweiten Planeten, der in noch geringerem Abstand um den Stern kreist.

Forschung: Shulin Li, Neil Miller, Douglas N. C. Lin und Jonathan J. Fortney, Kavli Institute for Astronomy and Astrophysics und Department of Astronomy, Peking University, Beijing, und Department of Astronomy and Astrophysics, University of California Santa Cruz

Veröffentlichung in „Nature“, Vol. 463, 25. Februar 2010, pp 1054-6, DOI 10.1038/nature08715

WWW:
Kavli Institute, Peking University
Astronomy and Astrophysics, UC Santa Cruz
Roche-Lobe Overflow
WASP-12

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