Posted in: Astrobiologie, Sonnensystem 2. März 2010 19:45 Weiter lesen →

Einschlägig organisch

Aufnahme des Enceladus als eisige, von tiefen Rissen überzogene Kugel Dass organische Verbindungen auch ohne Zutun von Organismen entstehen können, ist seit langem bekannt. Mitunter braucht es dazu nur einen kräftigen Stoß, lässt ein Experiment englischer Astrophysiker vermuten. Bei Einschlägen auf eisigen Monden und anderen Himmelskörpern könnten sich demnach sogar einfache Aminosäuren bilden.

Die Sonde Cassini hat Hinweise auf organische Verbindungen auf dem Saturnmond Enceladus gefunden. Bild: NASA/JPL/Space Science Institute

„Dieser Mechanismus könnte zur Bildung präbiotischer Verbindungen im äußeren Sonnensystem beitragen“, folgern Mike Price von der University of Kent und seine Kollegen. Die neuen Resultate müssten allerdings noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden, betonen die Forscher.

An vielen unwirtlichen Stellen im Sonnensystem und in den Tiefen des Alls haben Forscher organische Verbindungen entdeckt. Dazu zählen etwa der Komet Wild-2, in dessen Schweif die Aminosäure Glyzin gefunden worden ist, und die Südpolarregion des eisigen Saturnmondes Enceladus. Price und Kollegen gingen nun der Vermutung nach, dass nicht nur energiereiche Strahlung und vulkanische Wärme den Antrieb für die Entstehung solcher Verbindungen liefern können, sondern auch Einschläge.

Die Forscher machten die Probe aufs Exempel, indem sie den Aufprall eines winzigen Meteoriten auf Enceladus simulierten. Dazu stellten sie einen „Cocktail“ aus zerstoßenem Trockeneis (Kohlendioxid) und einer wässrigen Ammoniaklösung her. Darauf schossen sie ein schrotkorngroßes Edelstahlkügelchen mit einer Geschwindigkeit von fast sechs Kilometern pro Sekunde.

In dem feinkristallinen Rückstand fand sich nicht nur das unvermeidliche Ammoniumbikarbonat, berichtet die Gruppe auf einer Fachtagung im texanischen The Woodlands. Die Ramanspektren wiesen noch weitere Linien auf, die gut mit denen von Glyzin übereinstimmten. Und die Infrarotspektren legten den Verdacht nahe, dass bei dem Impakt neben der einfachsten Aminosäure auch Spuren weiterer Verbindungen entstanden waren.

Forschung: Mike C. Price, Mike J. Burchell und Mark J. Cole, School of Physical Sciences, University of Kent, Canterbury; und andere

Präsentation auf der 41st Lunar and Planetary Science Conference, The Woodlands; #1830

WWW:
Centre for Astrophysics and Planetary Science, University of Kent
Hypervelocity Impact Processes in Ices
Molecules in Space
Glyzin

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Außerirdische Aminosäuren
Aminosäure-Verwandter im All
Dünger für die kosmische Chemie


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3 Kommentare zu "Einschlägig organisch"

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  1. Erik sagt:

    ich lese den scienceticker über igoogle schon ewig, jetzt muss ich mal was schreiben: viele gute beiträge, oft auch ordentlich geschrieben und inhaltlich strukturiert dargeboten. diese meldung fand ich ganz besonders spannend, weiter so!!!

    PS: wenn wirklich einfache und komplexe aminosäuren bzw. ähnliche molekulare strukturen durch hitze und kompressionen entstehen können, dann sind wir dem quell der evolution deutlich näher gekommen.

  2. Bernward sagt:

    @Erik
    Na irgendwoher müssen doch die Grundsteine des Lebens gekommen sein. Könnte natürlich auch sein, dass solche Aminosäuren von anderer Stelle auf die Erde gekommen sind.

  3. Erik sagt:

    @ Bernward:

    Ich bin bisher davon ausgegangen, dass Aminosäuren nicht (zwangsläufig) durch Kollisionen bzw. Fremdeinwirkung entstehen können. Eher davon, dass sie sich unter den richtigen Umständen (atmosphärischer Druck, Wärme, evtl. Wasser+korrekte atmosphärische Zusammensetzung) bilden. 🙂

    LG