Posted in: Planeten 5. März 2010 20:03 Weiter lesen →

„Flüsse“ aus Lava

Aufnahme zeigt Stelle des Kanals, an der sich dieser in zahlreiche Arme auffächert, die später wieder zusammenfinden An Flussläufe erinnernde Strukturen müssen nicht unbedingt auf flüssiges Wasser hinweisen. Das demonstriert der Fall eines beinahe 300 Kilometer langen Kanals auf dem Mars, den amerikanische Forscher untersucht haben. Obwohl das Gebilde wie ein natürlicher Fluss mäandriert und sich vorübergehend in mehrere Arme aufspaltet, dürfte es letztlich doch auf Lava zurückgehen.

Anfangs bildet der Kanal einen „Zopf“ aus Seitenarmen. Bild: Jacob Bleacher, NASA-Goddard Space Flight Center

Das Mäandrieren und das Bilden eines „Zopfs“ aus Seitenarmen würden gemeinhin als klare Belege für Erosion durch Wasser angesehen, erklärt Jacob Bleacher vom Goddard Space Flight Center der NASA. Die neuen Resultate zeigten jedoch, dass man stets genau hinschauen müsse, bevor man einen solchen Schluss ziehe – ganz besonders auf vulkanischem Terrain.

Bleacher und Kollegen studierten einen langen Kanal südwestlich des Ascraeus Mons, des mit 18 Kilometern Höhe zweithöchsten Vulkans auf dem Mars und im Sonnensystem. Die Forscher analysierten hochauflösende Bilder mehrerer Marssonden, darunter auch des europäischen Mars Express, um mehr über das Gebilde und seine Entstehung herauszufinden.

Andere Stelle des Kanals, an der dieser streckenweise verschwindet, sein Lauf aber von kleineren Kegeln markiert wird Später verschwindet der Kanal streckenweise unter der Oberfläche, sein Lauf markiert durch kilometergroße Minivulkane. Bild: Jacob Bleacher, NASA-Goddard Space Flight Center

Wie die Gruppe auf einer Fachtagung im texanischen The Woodlands berichtet, entspringt der Kanal an einem kleinen Berggrat und zeigt auf den ersten 170 Kilometern typische Flussmerkmale. Dann ändert sich sein Charakter, indem das Gefälle sanfter wird. Stellenweise ist er nun wie eine Lavaröhre „überdacht“ und entlang seines Verlaufs sind regelrechte Minivulkane aufgereiht, an denen sich heißes Material den Weg ins Freie gebahnt hat.

Im Gegenzug konnten Bleacher und Kollegen typische Flussmerkmale auch bei eindeutigen Lavakanälen auf Hawaii und auf dem Mond nachweisen. Daher gehen sie davon aus, dass das Pendant auf dem roten Planeten ebenfalls von Lava geformt wurde. Das bedeute nicht, dass es in der Tharsis-Region des Mars kein Wasser gegeben habe, betont der Forscher. „Wenn ich aber eines gelernt habe, dann ist es, niemals das Fließverhalten von flüssigem Gestein zu unterschätzen.“

Forschung: Jacob E. Bleacher, Planetary Geodynamics Laboratory, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland; Andy P. de Wet, Department of Earth and Environment, Franklin & Marshall College, Lancaster, Pennsylvania; und andere

Präsentation auf der 41st Lunar and Planetary Science Conference, The Woodlands; #1612

WWW:
Planetary Geology and Geophysics, Goddard Space Flight Center
Tharsis Montes
Lava Flow Features
Verflochtener Fluss

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Tauwetter auf dem Mars
Lavakanäle auf dem Mars


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