Rasende Sternleichen
Dienstag, 9. März 2010, 14:40 • Rubrik Kosmos, Sterne.
Eine besonders flotte Sohle legt ein Paar im Sternbild Krebs auf das kosmische Parkett. Eine internationale Forschergruppe hat nachweisen können, dass das vor wenigen Jahren entdeckte Gespann aus zwei ausgebrannten Sternen besteht, die sich alle 5,4 Minuten in geringem Abstand umkreisen.
Grafik: Rob Hynes und Paul Groot, Radboud Universiteit
Das Binärsystem mit der Bezeichnung HM Cancri strapaziere damit nicht nur die gängigen Vorstellungen über ehedem völlig durchschnittliche Sterne, erläutert Gijs Nelemans von der Radboud Universiteit in Nijmegen, einer der beteiligten Astronomen. Das Gespann stelle auch einen Prüfstein für die Allgemeine Relativitätstheorie dar: “Es muss eine der produktivsten Quellen von Gravitationswellen sein.”
HM Cancri oder J0806 ist etwa 16.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt und war im Jahr 1999 mit dem deutschen Röntgensatelliten Rosat entdeckt worden. Die von dem Objekt ausgesandte Strahlung wird alle 321 Sekunden intensiver und wieder schwächer. Astronomen gehen davon aus, dass es aus zwei ausgebrannten Sternen besteht. Allerdings war es bislang nicht eindeutig bewiesen, dass der rasante Takt tatsächlich die Umlaufbewegung der beiden Partner widerspiegelt.
Die Gruppe um Nelemans und Gijs Roelofs vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics nutzte eines der großen Keck-Zwillingsteleskope auf Hawaii, um dieser Frage nachzugehen. Nach mehreren vergeblichen Anläufen in den Vorjahren hatten sie im Januar und März 2009 endlich optimale Sichtbedingungen und konnten in rascher Folge hochauflösende Infrarotspektren des schwach glimmenden Gespanns aufnehmen.
In den Daten zeigt sich tatsächlich eine deutliche Dopplerverschiebung in dem rasanten Takt, berichten die Forscher im Fachblatt “Astrophysical Journal Letters”. Alle 321 Sekunden wandern die erkennbaren Helium-Emissionslinien zu etwas größeren und wieder zu kürzeren Wellenlängen, indem sich eine der beiden Sternleichen von der Erde weg und wieder auf sie zu bewegt. Langsamere Schwankungen, wie sie auf weitere Umlaufbahnen hindeuten würden, lassen sich dagegen nicht erkennen.
Forschung: Gijs H. A. Roelofs, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; Paul J. Groot und Gijs Nelemans, Afdeling Sterrenkunde, Radboud Universiteit, Nijmegen; und andere
Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 711(2), L138, DOI 10.1088/2041-8205/711/2/L138; Preprint arXiv:1003.0658
WWW:
Gijs Roelofs, Harvard-Smithsonian CfA
Witte dwergen in de Melkweg, Radboud Universiteit
Orbiting Stars Flooding Space with Gravitational Waves
Gravitationswellen
Keck Observatory
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