Posted in: Kosmos 11. März 2010 13:59 Weiter lesen →

Giganten im kosmischen Strom

Grafik zeigt Karte der kosmischen Hintergrundstrahlung, darin in farbigen Scheiben der mutmaßliche Strom, am Rand einige Aufnahmen von Galaxienhaufen Eine vor wenigen Jahren entdeckte „Strömung“ im All ist deutlich größer als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe nach der Auswertung umfangreicher Beobachtungsdaten. Demnach streben Galaxienhaufen auf einer Strecke von rund 2,5 Milliarden Lichtjahren in eine gemeinsame Richtung.

Grafik: NASA/Goddard/A. Kashlinsky, et al.

„Das ist nichts, wonach wir gesucht hätten, aber ignorieren können wir es jetzt auch nicht mehr“, formuliert Alexander Kashlinsky vom Goddard Space Flight Center der NASA. Der Kosmologe und seine Kollegen hatten im Jahr 2008 erstmals über das Phänomen berichtet und waren auf Skepsis gestoßen. Kritiker führen etwa an, die Materieverteilung in dem Gebiet liefere keinerlei Erklärung für eine einheitliche großskalige Bewegung. Die neuen Resultate zeigten jedoch, dass es sich beim dem Phänomen nicht um ein statistisches Artefakt handle, so Kashlinskys Kollege Fernando Atrio-Barandela von der Universität Salamanca.

Die Forscher stützen sich auf die Kartierung der kosmischen Hintergrundstrahlung durch den Satellit WMAP. In diesen Daten haben sie einen minimalen Überschuss energiereicher Photonen ausgemacht. Ihrer Ansicht nach kommt dieser zustande, indem Photonen der Hintergrundstrahlung am heißen Gas von Galaxienhaufen, die sich in eine Richtung bewegen, gestreut werden und dabei Energie gewinnen.

Die neuen Resultate beruhen auf Daten aus fünf Jahren WMAP-Messungen und auf Beobachtungen von rund 1.400 Galaxienhaufen. Je mehr heißes Gas diese immensen Ansammlungen von Galaxien enthalten, desto ausgeprägter ist auch ihr Effekt auf die kosmische Hintergrundstrahlung, schreiben die Forscher im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Die in der Strömung treibenden Galaxienhaufen liegen ungefähr auf der Sichtlinie zu den südlichen Sternbildern Zentaur und Wasserschlange. Laut Kashlinsky und Kollegen bewegen sie sich auch grob entlang dieser Linie. In welche Richtung, auf die Milchstraße zu oder von ihr weg, sei aber noch unklar, so der Forscher. „Wir registrieren zwar eine Bewegung entlang dieser Achse. Derzeit erlauben unsere Daten aber noch keine sichere Aussage darüber, ob die Galaxienhaufen kommen oder gehen.“

Forschung: Alexander Kashlinsky, Science Systems & Applications Inc. und Observational Cosmology Laboratory, Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland; Fernando Atrio-Barandela, Fisica Teórica, Universidad de Salamanca; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 712, L81-L85, DOI 10.1088/2041-8205/712/1/L81; Preprints arXiv:0910.4958 und arXiv:1001.1261

WWW:
Observational Cosmology Laboratory, NASA Goddard Space Flight Center:
The Kabke Dark Flow, Fernando Atrio-Barandela
Sunyaev-Zel’dovich Effect
Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP)

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ein kosmischer Knotenpunkt
Wie der kosmische „Teig“ aufgeht


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