Posted in: Exoplaneten 17. März 2010 20:06 Weiter lesen →

Ein ferner Zwilling des Jupiter

Grafik zeigt kleinen dunklen kreisrunden Fleck vor einer gelb-orangefarbenen, brodelnden Sonne Einen Riesenplaneten, der große Ähnlichkeit mit dem Jupiter im Sonnensystem aufweist, hat eine internationale Astronomengruppe aufgespürt. Der Gasriese kreist in vergleichsweise moderatem Abstand um einen Stern, der etwa 1.500 Lichtjahre von der Sonne entfernt steht. Als Resultat dürfte sich auch seine Oberflächentemperatur im „normalen“ Bereich bewegen.

Bild: ESO/L. Calçada

„Corot-9b ist der erste Exoplanet, der wirklich den Planeten in unserem Sonnensystem ähnelt“, erklärt Hans-Jörg Deeg vom Instituto de Astrofísica de Canarias und von der Universität La Laguna auf Teneriffa. „Er ist ungefähr so groß wie Jupiter und seine Umlaufbahn entspricht in etwa der des Merkur.“ Die meisten bislang entdeckten Jupiter-Pendants ziehen dagegen in derart geringem Abstand um ihren Stern, dass sie von dessen Strahlung stark aufgeheizt werden.

Deeg und Kollegen fanden den kühlen Neuling mithilfe des Satelliten Corot. Der „Planetenjäger“ überprüft mehrere Tausend Sterne auf regelmäßige Helligkeitsschwankungen. Ein möglicher Grund dafür können Planeten sein, die auf ihrer Bahn durch die Sichtlinie zur Erde ziehen und so eine Miniatur-Sternfinsternis bewirken. Bei diesen Beobachtungen fiel ein sonnenähnlicher Stern im Sternbild Schlange auf, dessen Helligkeit alle 95 Tage für acht Stunden um etwa ein Prozent abnimmt.

Aus dem genauen Verlauf der Helligkeitsschwankungen und aus dem leichten Taumeln, in das der Stern durch den Schwerkraftzug seines Planeten versetzt wird, konnten die Forscher auf die Umlaufbahn und auf die Eigenschaften des Begleiters schließen. Corot-9b ist demnach etwa ebenso groß wie Jupiter, besitzt gut 80 Prozent von dessen Masse und hält einen Abstand von mindestens 55 Millionen Kilometern von seinem Gestirn. Als Resultat dürfte die Temperatur an seiner Oberfläche zwischen minus 20 und plus 160 Grad Celsius liegen, berichtet die Gruppe im Magazin „Nature“.

Die Daten zeichneten ein vertrautes Bild, erläutert Deegs Kollege Tristan Guillot von der Universität Nizza: „Der Planet besteht größtenteils aus Wasserstoff und Helium, genau wie Jupiter und Saturn, die beiden Gasriesen in unserem Sonnensystem.“ Die eigentliche Bedeutung des Neulings liege jedoch darin, dass er als Modellfall für Planeten mit gemäßigten Eigenschaften dienen könne, ergänzt Claire Moutou vom Laboratoire d’Astrophysique de Marseille. „Dieser Planet könnte für die Exoplanetenforschung eine ähnliche Rolle spielen wie der Stein von Rosette für die Ägyptologie.“

Forschung: Hans-Jörg Deeg, Instituto de Astrofísica de Canarias, und Departamento de Astrofísica, Universidad de La Laguna, La Laguna; Claire Moutou, Laboratoire d’Astrophysique de Marseille, CNRS und Université de Provence; Tristan Guillot, Université de Nice-Sophia Antipolis, Observatoire de la Côte d’Azur, CNRS UMR 6202, Nizza; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 464, 18. März 2010, pp 384-7, DOI 10.1038/nature08856

WWW:
Instituto de Astrofísica de Canarias
Extrasolar Planets Encyclopaedia
Exoplanet Data Plotter, California & Carnegie Exoplanet Search
Corot

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Höllisches Wetter auf fernem Planet


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