Posted in: Galaxien, Sterne 1. April 2010 18:51 Weiter lesen →

Rasender Stern auf Fluchtkurs

Karte der Milchstraße mit Spiralarmen, beschriftet, und hellem Balken im Zentrum Einige Sterne rasen mit hoher Geschwindigkeit durch die Milchstraße. Schuld daran ist nicht unbedingt das immense Schwarze Loch im galaktischen Zentrum, belegt eine Untersuchung deutscher Astronomen. Der von ihnen studierte Schnellläufer erhielt seinen „Schubs“ vielmehr in einem Spiralarm der Milchstraße und könnte diese über kurz oder lang für immer verlassen.

NASA/JPL-Caltech

Derzeit „steht“ der Stern mit der Bezeichnung HIP 60350 hoch über der Scheibe der Milchstraße. Tatsächlich bewegt er sich mit etwa 530 Kilometern pro Sekunde durch das All, schätzen die Forscher um Ulrich Heber von der Sternwarte der Universität Erlangen-Nürnberg. Dieser Wert ist etwas höher als jene Fluchtgeschwindigkeit, bei der sich ein Objekt gerade über den Schwerkraftzug der Milchstraße hinwegsetzen kann.

HIP 60350 ist einer von sechzehn bekannten superschnellen Sternen. Die extreme Geschwindigkeit dieser Objekte war meist durch eine Begegnung mit dem supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße erklärt worden. Heber und Kollegen hatten allerdings schon früher Hinweise darauf gefunden, dass die Ursache auch eine Supernova-Explosion in einem Doppelsternsystem oder eine Sternbegegnung im Gedränge eines Sternhaufens sein könnte.

Die neue Arbeit erhärtet diesen Verdacht. Die Forscher analysierten dazu hochauflösende Spektren des rasenden Sterns, die sie mit dem texanischen Hobby-Eberly-Teleskop und an der deutsch-spanischen Sternwarte in Andalusien aufgenommen hatten. Anhand der Daten bestimmten sie zunächst die chemische Zusammensetzung und die räumliche Bewegung von HIP 60350. Mit aufwändigen Berechnungen konnten sie dann die Herkunftsregion des Sterns einkreisen.

Der extreme Schnellläufer dürfte demnach etwa das Fünffache der Sonnenmasse besitzen und 45 Millionen Jahre jung sein. Verfolgt man seine Bewegung zurück, gelangt man zu jenem Spiralarm der Milchstraße, der zwischen den Sternbildern Schild (Scutum) und Kreuz des Südens (Crux) liegt. Dort, etwa 20.000 Lichtjahre vom Milchstraßenzentrum entfernt, muss HIP 60350 vor etwa 14 Millionen Jahren immens beschleunigt worden sein.

Nähere Erkenntnisse über den Ursprung des Schnellläufers erhoffen sich die Forscher von dem europäischen Satelliten Gaia. Dieser soll 2012 ins All gebracht werden und eine präzise Kartierung der Milchstraße vornehmen.

Forschung: Andreas Irrgang, Norbert Przybilla und Ulrich Heber, Remeis-Sternwarte, Bamberg, und Erlangen Centre for Astroparticle Physics, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 711(1), 138; Preprint arXiv:1002.1848

WWW:
Dr.-Remeis-Sternwarte Bamberg; Uni Erlangen-Nürnberg
The Milky Way Galaxy
Kosmische Geschwindigkeiten
Hypervelocity Stars
Gaia

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