Posted in: Sterne 8. April 2010 17:59 Weiter lesen →

Gasriese auf der Überholspur

Grafik zeigt schwach braun-rötlich glimmenden Himmelskörper, umgeben von einer weiten Gasscheibe, außerhalb davon ein ähnlich aussehender, etwas kleinerer Begleiter Sterne entstehen, indem eine große Gaswolke zu mehreren Gasmassen kollabiert. Dieser Prozess kann erstaunlich leichtgewichtige Objekte hervorbringen, lässt eine Entdeckung amerikanischer Astronomen vermuten. Bei einem jungen Braunen Zwerg fanden sie einen planetengroßen Begleiter, der höchstens eine Million Jahre alt sein kann.

Gemini Observatory/AURA artwork by Lynette Cook

„Dies ist der jüngste bekannte Begleiter mit einer planetarischen Masse“, erklärt Kevin Luhman von der Pennsylvania State University. Das extrem geringe Alter des Objekts lasse sich mit den herkömmlichen Theorien zur Entstehung von Planeten allerdings kaum erklären, so der Forscher. Daher sei es denkbar, dass es sich gar nicht um einen Planeten im klassischen Sinne handle.

Luhman und Kollegen fanden das seltsame Gespann in einer Sternentstehungsregion im Sternbild Stier. Bei ihren Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble konzentrierten sie sich auf 32 junge Braune Zwerge in der Region – sternähnliche Objekte, die nicht die nötige Mindestmasse besitzen, um dauerhaft als natürliche Fusionsreaktoren strahlen zu können. Es zeigte sich, dass einer dieser „Beinahe-Sterne“ nicht allein ist.

Folgebeobachtungen mit dem Gemini-Teleskop auf Hawaii bestätigten, dass sich der Braune Zwerg mit der Bezeichnung 2M044144 und sein mutmaßlicher Begleiter gemeinsam durch das All bewegen. Beide umkreisen sich in einem Abstand, der ungefähr 24 Erdbahnradien entspricht. Und während der Braune Zwerg etwa das 20-Fache der Jupitermasse aufweist, dürfte es der Begleiter auf höchstens 10 Jupitermassen bringen.

Nach Ansicht Luhmans und seiner Kollegen kann der Begleiter nicht in einer Gas- und Staubscheibe entstanden sein, die den Braunen Zwerg nach dessen Entstehung umgab. Einerseits habe diese Scheibe nicht genügend Material enthalten, andererseits hätte dieser Entstehungsvorgang zu lange gedauert. Die Forscher vermuten daher, dass die ursprüngliche Gaswolke gleich zu mehreren, teils sehr kleinen „Kernen“ kollabierte – der Begleiter also auf ähnliche Weise wie ein Stern entstand.

„Es scheint, als könnte die Natur planetengroße Begleiter auf zwei völlig unterschiedliche Weisen produzieren“, so Luhman weiter. Für diese Vermutung spreche auch die Entdeckung eines weiteren mutmaßlichen Binärsystems ganz in der Nähe, das mit 2M044144 und seinem Begleiter vielleicht sogar ein Vierfachsystem bilde.

Forschung: Kamen Todorov und Kevin L. Luhman, Department of Astronomy and Astrophysics und Center for Exoplanets and Habitable Worlds, Pennsylvania State University, University Park; Kim K. McLeod, Whitin Observatory, Wellesley College, Wellesley, Massachusetts

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 714, L84, DOI 10.1088/2041-8205/714/1/L84

WWW:
Astronomy and Astrophysics, Pennsylvania State University
Star Formation

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Stern mit zwei Braunen Zwergen entdeckt
Wenig Zeit für Gasriesen


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2 Kommentare zu "Gasriese auf der Überholspur"

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  1. Klaus Lang sagt:

    Von wegen: „der Braune Zwerg mit der Bezeichnung 2M044144 und sein mutmaßlicher Begleiter“. Wie ich es verstehe, hat der Braune Zwerg die Bezeichnung 2MASS J04414489+2301513, der Begleiter 2M044144 (http://hubblesite.org/newscenter/archive/releases/2010/03/fastfacts/).
    Ich kann nicht erkennen, dass behauptet wird, der Begleiter sei ein Brauner Zwerg.
    Oder irre ich?
    Übrigens: nach welchen Regeln werden Bezeichnungen von (neuen) Objekten von Wissenschaftlern ersonnen? Da ich diese Seite regelmäßig verfolge, vermute ich gar keine.
    Klaus L.

  2. Gerd Hermann sagt:

    Verstehen Sie falsch. Das eine ist die Kurzform des anderen. Bei der ungeheuren Zahl von Objekten, die die großen Durchmusterungen finden, kann man sich nicht für jedes einen eigenen Namen ausdenken. Typischerweise nimmt man daher ein Kürzel, das die jeweilige Durchmusterung anzeigt (hier der Two Micron All Sky Survey) und die Himmelskoordinaten. Der Wust an Buchstaben und Ziffern würde jedoch jeden Text unleserlich machen, daher kürzt man ihn ab.