Posted in: Mond 20. April 2010 13:34 Weiter lesen →

Elektrisierte Mondkrater

Blick über Mondlandschaft mit Kratern, Bergen, langen Schatten Die Krater an den Polen des Mondes gelten als mögliche Lagerstätten für Wassereis. Die Erkundung dieser Krater könnte allerdings durch statische Elektrizität erschwert werden, haben amerikanische Forscher ermittelt. Indem positiv und negativ geladene Teilchen des Sonnenwindes unterschiedlich rasch in die Krater eindringen, können sich elektrische Spannungen von mehreren Hundert Volt aufbauen.

Bild: NASA/GSFC/Arizona State University

„Forscher und Roboter könnten es am Grund polnaher Mondkrater mit einer komplexen elektrischen Umgebung zu tun bekommen“, erklärt William Farrell vom Lunar Science Institute der NASA. Zusätzlich zu Dunkelheit und extremer Kälte würde dies statische Entladungen, eine starke Haftung aggressiven Mondstaubs an Geräten und Raumanzügen und vielleicht auch eine veränderte Oberflächenchemie bedeuten, so der Forscher.

Der Grund für das elektrische Phänomen ist die geringe Neigung der Mondachse gegen die Ebene der Erdbahn. An den Polen des Mondes steigt die Sonne im Laufe eines Jahres höchstens 1,5 Grad über den Horizont, sodass ihr Licht stets horizontal auf das raue Terrain mit seinen Erhebungen, Tälern und Kratern fällt. Das gleiche gilt für den Sonnenwind, einen dünnen Strom aus leichten Elektronen und anderen, um drei Größenordnungen schwereren Ionen.

Farrell und seine Kollegen studierten das Verhalten dieses dünnen Teilchenstroms, wenn er über einen Krater streicht. Hinter dem stromaufwärts gelegenen Kraterwall bildet sich demnach ein regelrechter Windschatten aus, in den allmählich Teilchen aus dem übrigen Sonnenwind vordringen. Die leichten, negativ geladenen Elektronen tun dies jedoch sehr viel schneller als die übrigen, positiv geladenen Ionen. Als Folge sammelt sich negative Ladung auf der Innenseite des Kraterwalls an.

Diese Ladung wächst so lange, bis sie den weiteren Zustrom negativ geladener Teilchen behindert und im Gegenzug positiv geladene Teilchen anzieht. Nach Ansicht Farrells und seiner Kollegen könnte ein gewisser Ausgleich auch durch negativ geladene Staubteilchen bewirkt werden, die von der Oberfläche abgestoßen werden und davontreiben. Dieses Phänomen sei vielleicht sogar schon beobachtet worden, so der Forscher. „Die Apollo-Astronauten in den Kommandomodulen in der Umlaufbahn haben während des Sonnenaufgangs feine Streifen am Mondhorizont gesehen. Vielleicht handelte es sich hierbei um Licht, dass an elektrisiertem, schwebenden Staub gestreut wurde.“

Forschung: Wiliam M. Farrell und Richard R. Vondrak, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland, und NASA Lunar Science Institute, Ames Research Center, Moffett Field, Kalifornien; und andere

Veröffentlichung Journal of Geophysical Research – Planets, Vol. 115, E03004, DOI 10.1029/2009JE003464

WWW:
NASA Lunar Science Institute
Der Mond
Ice on the Bone Dry Moon

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Staus im Sonnenwind nagen am Mars
Elektrisierter Sand fliegt besser


Posted in: Mond
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.