Posted in: Galaxien, Kosmos 10. Mai 2010 12:31 Weiter lesen →

Früher Galaxienhaufen entdeckt

Einen Galaxienhaufen aus der Kindheit des Universums haben japanische und deutsche Astronomen entdeckt. Die Ansammlung alter und massereicher Galaxien liegt in einer Entfernung von rund 9,6 Milliarden Lichtjahren von der Milchstraße. Damit kann sie helfen, mehr über die Materieverteilung im jungen Kosmos zu erfahren.

Bild: Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik

Galaxienhaufen sind die größten Objekte im Universum. Sie bestehen aus zahlreichen Galaxien, die durch ihre Schwerkraft aneinander gebunden sind und zwischen denen sich stark aufgeheiztes Gas befindet. Alexis Finoguenov vom Garchinger Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und seinen japanischen Kollegen gelang es, neben den Galaxien auch dieses heiße Gas anhand seiner energiereichen Strahlung aufzuspüren.

Finoguenov und Kollegen entdeckten die fernen Galaxien, als sie einen kleinen Bereich am Nachthimmel mit dem Subaru-Teleskops auf Hawaii studierten. Trotz eher schlechter Beobachtungsbedingungen fanden die Forscher fast 40 Objekte im Infrarotbereich, von denen sich einige als massereiche Galaxien entpuppten. Deren Licht ist auf seinem Weg zur Erde durch die Ausdehnung des Universums auf gut 260 Prozent seiner Ausgangswellenlänge gedehnt worden, entsprechend einer „Reisedauer“ von rund 9,6 Milliarden Jahren. Es wurde ausgesandt, als das Universum kaum ein Drittel seines heutigen Alters hatte.

Für den Nachweis des Haufengases nutzten die Forscher das Röntgenteleskop XMM-Newton. „Obwohl es schwierig war, die Röntgenphotonen mit einer effektiven Spiegelgröße zu sammeln, die nur etwa der eines Gartenteleskops entspricht, konnten wir klar die Handschrift des heißen Gases im Haufen nachweisen“, erklärt Finoguenov.

Der neu entdeckte Galaxienhaufen enthält eine Fülle massereicher, rötlich erscheinender Galaxien. Das Vorhandensein dieser „reifen“ Galaxien deute darauf hin, dass der Haufen durch die Verschmelzung mehrerer Galaxiengruppen entstanden ist, wobei jede Verschmelzung einen der geruhsamen Riesen hervorbrachte. Junge und aktive Galaxien, deren Licht aufgrund der Strahlung neu entstandener Sterne eher bläulich erscheint, sind in dem Haufen dagegen selten.

Erst kürzlich hatte eine andere Astronomengruppe die Entdeckung eines Galaxienhaufens in einer Entfernung von über 10 Milliarden Lichtjahren vermeldet. Das Maß der Rotverschiebung seines Lichts wird jedoch angezweifelt – möglicherweise ist das Objekt „nur“ etwa 8,1 Milliarden Lichtjahre von der Milchstraße entfernt.

Forschung: Masayuki Tanaka, Institute for the Physics and Mathematics of the Universe, University of Tokyo, Kashiwa, und European Southern Observatory, Garching; Alexis Finoguenov, Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching; Yoshihiro Ueda, Department of Astronomy, Kyoto University

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters (im Erscheinen); Preprint arXiv:1004.3606

WWW:
Institute for the Physics and Mathematics of the Universe, University of Tokyo
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Subaru/XMM-Newton Deep Survey
Galaxienhaufen
Rotverschiebung und Expansion

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Giganten im kosmischen Strom
Früher kosmischer Koloss


Posted in: Galaxien, Kosmos
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.