Posted in: Galaxien 11. Mai 2010 14:43 Weiter lesen →

Möglicherweise „entkernte“ Galaxie entdeckt

Hell-Dunkel-Invertiertes Bild zeigt dunklen Punkt in rotem Kreis, etwas versetzt zum dunklen Zentrum einer Spirale, markiert durch einen weißen KreisEine seltene Entdeckung ist einer niederländischen Studentin geglückt. Beim systematischen Abgleich von Beobachtungsdaten fand die angehende Astronomin eine starke Quelle von Röntgenstrahlung, die knapp außerhalb des Kerns einer fernen Galaxie liegt. Möglicherweise handelt es sich um ein extrem massereiches Schwarzes Loch, das aus dem Zentrum der Galaxie herauskatapultiert worden ist.

Eine Hubble-Aufnahme aus dem Jahr 2003 zeigt eine Lichtquelle an der Position des mutmaßlichen Schwarzen Lochs (roter Kreis), knapp außerhalb des Zentrums der Galaxie (weißer Kreis). Bild: STScI/NASA

Supermassereiche Schwarze Löcher werden in den Kernen der meisten großen Galaxien vermutet. Aufwändige Berechnungen lassen vermuten, dass die Giganten trotz ihrer Masse von vielen Millionen bis Milliarden Sonnen nicht unbeweglich sind. Wenn zwei von ihnen miteinander verschmelzen, etwa bei der Vereinigung zweier Galaxien, kann das Produkt einen Rückstoß erfahren, der es schlagartig auf hohe Geschwindigkeit beschleunigt. Einen solchen „ausgestoßenen“ Riesen hat Marianne Heida von der Universität Utrecht möglicherweise entdeckt.

Die Astronomiestudentin und ihre Kollegen kombinierten die Daten einer großangelegten Himmelsdurchmusterung im sichtbaren Licht mit einem Katalog von Röntgenquellen, die das Weltraumteleskop Chandra registriert hat. Dabei suchten sie gezielt nach leuchtstarken Röntgenquellen knapp außerhalb des Zentrums der nächstgelegenen Galaxie – und wurden gleich mehrfach fündig.

Einen ihrer Funde konnte die Gruppe bereits näher analysieren. Es handelt sich um eine Röntgenquelle, die in einer rund 600 Millionen Jahre entfernten Spiralgalaxie liegt und es in puncto Leuchtkraft mit dem Kern einer aktiven Galaxie aufnehmen kann. Allerdings liegt sie nicht im Zentrum der fernen Galaxie, sondern um rund 10.000 Lichtjahre versetzt dazu.

Zu den möglichen alternativen Erklärungen für das Phänomen zählt eine ungewöhnlich leuchtkräftige Supernova. Diese Sternexplosion müsste sich lange vor oder kurz nach dem Jahr 2003 ereignet haben, so Heida und Kollegen. Ein in diesem Jahr mit dem Weltraumteleskop Hubble aufgenommenes Bild zeigt an der Position der Röntgenquelle nämlich auch im sichtbaren Licht eine kräftige Strahlungsquelle. Dass es sich bei der ungewöhnlichen Strahlungsquelle tatsächlich um den Kern einer weit entfernten Galaxie handelt, der durch die Scheibe der Spiralgalaxie leuchtet, hält die Astronomengruppe dagegen für wenig wahrscheinlich.

Forschung: Peter G. Jonker, SRON – Netherlands Institute for Space Research, Utrecht; Manuel A. P. Torres, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; Marianne Heida, Sterrekundig Instituut, Universiteit Utrecht; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arXiv:1004.5379

WWW:
Sterrekundig Instituut Utrecht
SRON – Netherlands Institute for Space Research
Black Holes
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