Posted in: Planeten 12. Mai 2010 11:26 Weiter lesen →

Kiesel auf Titan

Bild einer diesigen orangefarbenen Szenerie mit runden Steinen, daneben Farbfoto irdischer Kiesel in dunklem feinkörnigen Sediment Nicht nur an irdischen Hängen, auch auf dem Saturnmond Titan kommt es mitunter zu regelrechten Sturzfluten. Neue Belege für diese Ansicht hat eine internationale Forschergruppe in Radardaten der Sonde Cassini gefunden. Ungewöhnlich helle Radarreflexe aus mutmaßlichen Flussbetten lassen sich demnach am ehesten durch Massen eisiger Kieselsteine erklären.

Schon der Lander Huygens hatte kieselartige Steine auf Titan erspäht. Bilder: NASA/JPL/ESA/University of Arizona und S.M. Matheson

„In diesem Gebiet sind vermutlich Prozesse ähnlich jenen abgelaufen, die glatt polierte Steine in den Flüssen der Erde produzieren“, erklärt Alice Le Gall vom Jet Propulsion Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena. Entsprechend den eisigen Bedingungen auf Titan, dürften die Kiesel allerdings aus Wassereis bestehen und sich in einem Strom flüssiger Kohlenwasserstoffe aneinander und am Untergrund gerieben haben.

Rundliche, etwa faustgroße Steine waren bereits auf den Bildern der europäischen Sonde Huygens zu sehen, die im Januar 2005 auf Titan gelandet war. Die neuen Hinweise stammen dagegen aus einem Gebiet weitab der Landestelle, von den südlichen Hängen einer als Xanadu bezeichneten Region. Die Sonde Cassini hatte die Region bei einem ihrer engen Vorbeiflüge an Titan per Radar abgetastet und sehr starke Radarechos aus gewundenen Kanälen aufgefangen.

Auf Basis ihrer Analyse der Radardaten vermuten Le Gall und Kollegen, dass der Boden der Kanäle mit einige Zentimeter bis Meter großen, rundlichen Steinen übersät ist, die die Radarstrahlung besonders gut zum Ausgangspunkt zurück reflektieren. Bei diesen Kieseln könnte es sich um Bruchstücke von Wassereis-Fels handeln, die aus den höheren Lagen Xanadus stammen und durch Methanfluten in das tiefer gelegene Gebiet verfrachtet werden.

„Titan zeigt sich hier wieder einmal als Welt, auf der es Vorgänge ähnlich denen auf der Erde gibt“, erklärt Le Galls Institutskollegin Linda Spilker. „Indem die Jahreszeiten auf Titan wechseln, erhalten wir vielleicht die Chance, Methan durch einige der Flussbetten strömen zu sehen.“

Forschung: Alice Le Gall und Steve D. Wall, Jet Propulsion Laboratory, California Institute of Technology, Pasadena; Philippe Paillou, Observatoire Aquitain des Sciences de l’Univers, Université Bordeaux I, Floirac; und andere

Veröffentlichung Icarus, Vol. 207(2), pp 948-58, DOI 10.1016/j.icarus.2009.12.027

WWW:
Astrophysics & Space Sciences, Jet Propulsion Laboratory
Laboratoire d’Astrophysique de Bordeaux
Titan

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Titanischer Morast
Faustgroße Kiesel auf Saturnmond


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