Posted in: Galaxien, Sterne 2. Juni 2010 16:00 Weiter lesen →

Rebellischer Sternhaufen kommt nicht zur Ruhe

Aufnahme zeigt dichten Schwarm gleißend heller Sterne, halb eingefasst von rötlich-pastellfarbenen Nebelschwaden, schwarzer Hintergrund mit dunkleren Sternen Junge Sternhaufen verhalten sich nicht unbedingt so, wie man es von ihnen erwartet. Das haben Heidelberger und Kölner Astronomen am Beispiel eines Exemplars in der galaktischen Nachbarschaft der Sonne entdeckt. Entgegen der Theorie, steckt auch eine Million Jahre nach seiner Entstehung noch zu viel Unruhe in dem Sternhaufen, als dass man seine künftige Entwicklung erahnen könnte.

Bild: NASA, ESA and the Hubble Heritage (STScI/AURA)-ESA/Hubble Collaboration

Zu diesem Schluss kommt die Gruppe um Wolfgang Brandner vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg nach dem Vergleich zweier Aufnahmen des Sternhaufens, die das Weltraumteleskop Hubble im Abstand von zehn Jahren gemacht hatte. Anhand der Veränderung der Sternpositionen in diesem Zeitraum gelang es den Forschern, die Geschwindigkeit der abgelichteten Sterne zu bestimmen.

Der unruhige Sternhaufen liegt etwa 20.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Zentrum des Gasnebels NGC 3603. In einem Volumen mit lediglich drei Lichtjahren Durchmesser drängeln sich dort Sterne mit einer Gesamtmasse von 10.000 Sonnen. Zum Vergleich: Von der Sonne zu ihrem nächsten Nachbarstern sind es mehr als vier Lichtjahre.

Brandner, der Doktorand Boyke Rochau und ihre Kollegen verglichen eine im Herbst 2007 gemachte Aufnahme des Sternhaufens mit einer archivierten Aufnahme aus dem Jahr 1997. Unter Berücksichtung möglicher Störquellen gelang es ihnen, die Positionsveränderung von 234 Haufensternen mit einer Genauigkeit von 27 Millionstel Bogensekunden zu bestimmen. Die Werte sollten eigentlich umso höher sein, je leichter die Sterne sind. Doch obwohl die beobachteten Sterne Massen zwischen zwei und neun Sonnenmassen aufweisen, ergab sich durchweg ein Mittelwert von etwa 4,5 Kilometern pro Sekunde.

Offenbar hat sich in dem Sternhaufen in NGC 3603 noch nicht das theoretisch erwartete Gleichgewicht eingestellt, folgern die Forscher im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“. Stattdessen dürften die Geschwindigkeiten der Sterne noch immer die Bedingungen bei der Entstehung des Haufens widerspiegeln. Die Frage, ob sich das Objekt zu einem kompakten, langlebigen Kugelsternhaufen entwickeln wird oder ob sich seine Sterne im Laufe der Zeit in alle Winde zerstreuen werden, bleibt damit offen.

Forschung: Boyke Rochau, Wolfgang Brandner und Thomas Henning, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg; Andrea Stolte, I. Physikalisches Institut der Universität zu Köln; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 716(1), L90, DOI 10.1088/2041-8205/716/1/L90

WWW:
Planeten und Sternentstehung, Max-Planck-Institut für Astronomie
Sternhaufen
Hubble

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Sternhaufen vergehen schnell
Müsli-Effekt im Sternhaufen


Posted in: Galaxien, Sterne
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 4,80 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.