Posted in: Sonnensystem, Sterne 10. Juni 2010 20:00 Weiter lesen →

Adoptierte Kometen

Falschfarbenbild zeigt Infrarotaufnahme eines Kometen mit hellem Kern und langem Schweif vor tiefschwarzem Himmel, einige hellblaue Sterne Nicht wenige Kometen, die als Schweifstern am Nachthimmel erscheinen, stammen ursprünglich von anderen Sternen. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Astronomengruppe nach umfangreichen Modellrechnungen. Viele, wenn nicht gar die meisten Objekte in den Außenbezirken des Sonnensystems hat die Sonne demnach von Sternen übernommen, die zeitgleich mit ihr in einer Gaswolke entstanden sind.

Den Kometen „Siding Spring“ (C/2007 Q3) hat es aus der Oortschen Wolke ins innere Sonnensystem verschlagen. Bild: NASA/JPL-Caltech/UCLA

„Zwischen der jungen Sonne und ihren Schwestern bestand ein sehr reger Austausch“, erklärt Harold Levison vom Southwest Research Institute in Boulder, „und das Resultat sehen wir heute.“ Nach Ansicht des Forschers und seiner Kollegen könnten mehr als 90 Prozent der Objekte in der Oortschen Wolke, die das Sonnensystem wie eine gewaltige Trümmerhalde umgibt und als Quelle der Kometen mit weiten Umlaufbahnen gilt, letztlich adoptiert sein.

Heute zieht die Sonne als Einzelgängerin durch die Milchstraße. Viele Astronomen gehen jedoch davon aus, dass sie in einem dichten Haufen mit Hunderten anderer Sterne und einem „Kitt“ aus Gas entstand. Das Gas wurde von den jungen, strahlenden Sternen in alle Winde zerstreut, sodass sich auch der Haufen allmählich auflöste. In dieser Phase, wenige Millionen Jahre nach der Entstehung der Sonne und ihrer Schwestern, könnte es zu einem schwunghaften Geben und Nehmen gekommen sein, glauben die amerikanischen, kanadischen und französischen Astronomen.

Den Anstoß zu den Modellrechnungen gab eine Diskrepanz zwischen Beobachtungen und Theorie: Anscheinend gibt es in der Oortschen Wolke des heutigen Sonnensystems bis zu 70 Mal mehr eisige Gesteinsbrocken als aufgrund der Zahl von Objekten in einem Übergangsbereich – der „Scattered Disk“ – zu erwarten wäre. Levison und Kollegen spekulierten, die zusätzlichen Objekte könnten von den Schwestersternen der Sonne stammen.

Ihre Computersimulationen des einstigen Sternhaufens stützen diese Vermutung. Anfangs ist das Gebilde aus Sternen und Gas demnach so dicht, dass sich die kleinen Objekte aus Eis und Gestein kaum einem einzelnen Stern zuordnen lassen. Sobald die Sterne auseinanderdriften und dabei immer langsamer werden, können sie allerdings leicht Objekte aus diesem Reservoir auflesen. „Dieser Einfangprozess ist verblüffend effizient“, erklärt Martin Duncan von der Queen’s University im kanadischen Kingston. „Damit besteht die faszinierende Möglichkeit, dass die Oortsche Wolke ein Sammelsurium von Material enthält, das von zahlreichen Schwestersternen der Sonne kommt.“

Forschung: Harold F. Levison und David E. Kaufmann, Southwest Research Institute, Boulder, Colorado; Martin J. Duncan, Department of Physics, Queen’s University, Kingston, Ontario; Ramon Brasser, Laboratoire Cassiopée, Université de Nice-Sophia Antipolis, CNRS, Observatoire de la Côte d’Azur, Nizza

Veröffentlichung Science Express, 10. Juni 2010, DOI 10.1126/science.1187535

WWW:
Planetary Science, Southwest Research Institute
Groupe de Planétologie, Observatoire de la Côte d’Azur
Oort Cloud
Scattered Disc

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Rebellischer Sternhaufen kommt nicht zur Ruhe
Wo die Schwestern der Sonne stehen


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