Posted in: Exoplaneten 5. Juli 2010 15:15 Weiter lesen →

Himmlischer Dreiklang

Grafik zeigt im Vordergrund einen Ringplaneten, über dessen Horizont eine kleine orangefarbene Sonne leuchtet, davor zwei kleinere Planeten Einen Dreiklang der planetarischen Art haben amerikanische Forscher entdeckt. Bei einem Stern in der Nachbarschaft der Sonne fanden sie einen neuen Planeten, der für einen Umlauf um das Gestirn doppelt so lang benötigt wie der nächstinnere Planet. Dieser benötigt wiederum doppelt so lang wie sein nächstinnerer Nachbar. Als Folge stehen die drei Planeten regelmäßig auf einer Linie aufgereiht.

Grafik: Greg Bacon (STScI und NASA)

Eine ähnliche Resonanz gibt es auch im Sonnensystem zwischen den Jupitermonden Io, Europa und Ganymed. Im Falle des fernen Systems kommt allerdings noch eine Besonderheit hinzu, glauben die Astronomen um Eugenio Rivera von den University of California Observatories: Alle drei Planeten stehen bei ihren „Begegnungen“ auf der gleichen Seite des Zentralgestirns. Im Falle der drei Jupitermonde steht dagegen immer einer der Monde seinen zwei Geschwistern auf der anderen Seite des Jupiter gegenüber.

Rivera und seine Kollegen fanden den Neuling bei dem gut 15 Lichtjahre entfernten Stern Gliese 876. Schon seit 1998 nimmt die Forschergruppe den Stern regelmäßig mit einem der großen Keck-Zwillingsteleskope auf Hawaii unter die Lupe. Aus dem so entdeckten Taumeln des Sterns war bereits im Jahr 2000 auf die Existenz zweier Planeten geschlossen worden, im Jahr 2005 folgte der dritte. Im Laufe der Zeit werden immer filigranere Muster in der Bewegung des Sterns erkennbar – und erlauben weitere Rückschlüsse auf das ferne System.

Der nun entdeckte Planet mit der Bezeichnung Gliese 876e bringt es auf ungefähr 15 Erdmassen, berichten Rivera und seine Kollegen in einem online zur Diskussion gestellten Artikel. Für einen Umlauf um seinen Stern benötigt er etwa 124 Tage, seine beiden nächstinneren Geschwister dagegen 61 bzw. 30 Tage. Von Gliese 876 aus gesehen, stehen sie daher mit schöner Regelmäßigkeit nahe beieinander am Himmel – und das vermutlich schon seit Abermillionen von Jahren.

Forschung: Eugenio J. Rivera, Gregory Laughlin und Stefano Meschiari, UCO/Lick Observatory, University of California at Santa Cruz; R. Paul Butler, Department of Terrestrial Magnetism, Carnegie Institution of Washington, Washington, D.C.; und andere

Zur Veröffentlichung eingereicht bei Astrophysical Journal; Preprint arXiv:1006.4244

WWW:
University of California Observatories
Orbital Resonance
Encyclopaedia of Extrasolar Planets
Gliese 876
High Resolution Echelle Spectrometer, Keck Observatory

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Chaotisches Treiben im Sonnensystem


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