Posted in: Exoplaneten, Technik 9. Juli 2010 01:00 Weiter lesen →

Erfolgreiche Planetenjagd mit der Stoppuhr

Teleskopaufnahme zeigt weiße, rot umrandete Kreisfläche zwischen kleineren, schwarzer Hintergrund, Pfeil beschriftet 'WASP-3' Einen neuen Planeten eines fernen Sterns haben deutsche, polnische und bulgarische Astronomen aufgespürt. Die Forscher nutzten dazu minimale Schwankungen im Umlauf eines bereits bekannten Planeten bei dem Stern. Der Neuling besitzt eine Masse von ungefähr 15 Erden und ist damit vergleichsweise leichtgewichtig – ein Beleg für die große Empfindlichkeit der Methode.

WASP-3 müsste etwa 60 Mal heller leuchten, um mit bloßem Auge sichtbar zu sein. Bild: Gracan Maciejewski, Dinko Dimitrov, Ralph Neuhäuser, Andrzej Niedzielski et al.

„Für eine direkte Beobachtung mit einem Teleskop ist der Planet viel zu klein und leuchtschwach“, erklärt Ralph Neuhäuser von der Universität Jena. Die erstmals erfolgreiche Nachweismethode erlaube es aber, auch Planeten mit noch deutlich geringerer Masse zu entdecken – und das selbst mit nur kleinen Teleskopen.

Die Gruppe um Gracjan Maciejewski von der Universität Jena und von der Universität im polnischen Toruń fand den neuen Planeten bei WASP-3. Der Stern steht etwa 700 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild Leier. Bereits vor einigen Jahren war bei ihm ein Planet mit der doppelten Jupitermasse entdeckt worden.

Diagramm zeigt Abweichung der beobachteten von den berechneten Transitzeitpunkten, wellenförmige Ausgleichskurve Der größere der beiden Planeten, WASP-3b, läuft regelmäßig etwas verfrüht bzw. verspätet durch die Sichtlinie zur Erde. Bild: Gracan Maciejewski, Dinko Dimitrov, Ralph Neuhäuser, Andrzej Niedzielski et al.

Das Schwergewicht rast alle 1,8 Tage um seinen Stern und zieht dabei durch die Sichtlinie zur Erde, sodass es sein Zentralgestirn leicht verdunkelt. Diese Durchgänge treten regelmäßig einige Minuten früher bzw. später auf als berechnet, entdeckten die Forscher bei ihren Beobachtungen mit zwei Teleskopen in Jena und im Süden Bulgariens. „Unsere Berechnungen zeigten, dass diese Schwankungen, die auch Transit-Zeit-Variationen genannt werden, durch einen weiteren Planeten in dem System verursacht werden müssen“, erläutert Maciejewski.

Ausgehend von den bislang vorliegenden Beobachtungsdaten, benötigt der kleinere Planet mit der Bezeichnung WASP-3c fast doppelt so lange für einen Umlauf um den Stern wie sein größerer Vetter, berichten die Forscher in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“. Derzeit nutzen sie ein Großteleskop in Texas, um mehr über das ferne Planetensystem in Erfahrung zu bringen.

Forschung: Gracjan Maciejewski und Ralph Neuhäuser, Astrophysikalisches Institut und Universitätssternwarte, Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Toruń Centre for Astronomy, Nicolaus Copernicus University, Toruń; Dinko Dimitrov, Institute of Astronomy, Bulgarian Academy of Sciences, Sofia; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arXiv:1006.1348

WWW:
Astrophysikalisches Institut und Universitäts-Sternwarte Jena
Toruń Centre for Astronomy
Institute of Astronomy, Bulgarian Academy of Sciences
Extrasolar Planets Encyclopaedia
WASP-3

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Drei neue Exoplaneten


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