Posted in: Sterne 21. Juli 2010 15:56 Weiter lesen →

Sterngiganten sprengen Theorie

Grafik zeigt flirrende rote, gelbe, hellblaue und dunkelblaue Kugeln wachsender Größe Sterne können sehr viel massereicher sein als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Astronomengruppe nach dem Studium zweier Sternhaufen. Einige der darin befindlichen Schwergewichte müssen bei ihrer Entstehung mehr als 300 Sonnenmassen aufgewiesen haben – das Doppelte des bislang als Obergrenze geltenden Wertes.

Neben dem Giganten R136a1 würden sich Rote Zwerge, Gelbe Zwerge wie die Sonne und Blaue Zwerge vergleichsweise winzig ausnehmen. Grafik: ESO/M. Kornmesser

Gleichwohl stütze die neue Untersuchung die Ansicht, dass Sterne nicht in den Himmel wachsen könnten, betonen die Forscher um Paul Crowther und Olivier Schnurr von der Universität Sheffield und vom Astrophysikalischen Institut Potsdam. „Unsere Daten zeigen […], dass die Existenz bedeutend schwererer Sterne extrem unwahrscheinlich ist“, so Schnurr.

Seit einiger Zeit gehen Astronomen davon aus, dass Sterne im heutigen Universum bei ihrer Entstehung nicht mehr als das 150-Fache der Sonnenmasse besitzen können. Materieverdichtungen größerer Masse sollten sich, so die Überlegung, durch die von ihnen abgestrahlte Energie selbst zerstören. Umso rätselhafter ist die Entstehungsgeschichte der nun entdeckten Giganten.

Crowther, Schnurr und Kollegen fanden die Schwergewichte im Gedränge der zwei jungen Sternhaufen NGC 3603 und RMC 136a. Ersterer liegt in der Milchstraße, letzterer in einer der nächsten Nachbargalaxien, der Großen Magellanschen Wolke. Die Forscher analysierten archivierte Beobachtungsdaten, die mit dem Weltraumteleskop Hubble und am europäischen Großteleskop-Observatorium in Chile gewonnen worden waren.

Wie die Gruppe in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ berichtet, beherbergen die beiden Sternhaufen gleich mehrere Sterne, die eine Oberflächentemperatur von mehr als 40.000 Grad Celsius aufweisen. Den derzeitigen Vorstellungen zufolge, müssen diese Sterne mit mehr als 150 Sonnenmassen geboren worden sein – ein Gigant mit der Bezeichnung R136a1 dürfte es sogar auf etwa 320 Sonnenmassen gebracht haben. Seit ihrer Geburt haben die schnelllebigen Riesen allerdings einen beträchtlichen Teil ihrer Masse schon wieder verloren, nämlich in Form eines starken Sternwindes.

Forschung: Paul A. Crowther und Olivier Schnurr, Department of Physics and Astronomy, University of Sheffield, und Astrophysikalisches Institut Potsdam; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arXiv:1007.3284

WWW:
Astronomy Group, University of Sheffield
NGC 3603: From Beginning to End
Sterntypen – Von Riesen und Zwergen

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2 Kommentare zu "Sterngiganten sprengen Theorie"

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  1. Theodora Papse sagt:

    Auch in den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden angeblich Riesensterne detektiert, die entgegen der physikalischen Gesetzmäßigkeiten entstanden sein sollten.
    Später hat sich heraus gestellt, dass die Helligkeit der angeblichen Sternenriesen nur ein optischer Effekt der Abbildungsschärfe damaliger Teleskope war, der zusammen mit nach gelegenen Sternen diese als Überriesen erscheinen ließen.

    Auch in den neueren Funden könnte ein ähnlicher Effekt zu einer solchen Fehleinschätzung geführt haben.
    Die Diskussion und Forschung dahingehend ist noch nicht abgeschlossen. Das sollte man bei diesem Artikel nicht verschweigen.

    TP

  2. knudsen sagt:

    @Theodora: 100prozentige Zustimmung – diese Frage dürfte die Sterngucker noch eine Weile beschäftigen.