Posted in: Galaxien, Kosmos, Sterne 23. Juli 2010 16:52 0 Kommentare Weiter lesen →

Verjüngungskur für rasenden Stern

Grafik zeigt glimmende Kugel, die aus einer Spiralgalaxie herausschießt und dabei immer größer und blauer wird Neues Licht auf die Herkunft eines rasenden Sterns werfen Beobachtungen amerikanischer Astronomen. Der Schnellläufer rast mit rund 2,6 Millionen Kilometern pro Stunde durch das All – offenbar als Folge einer engen Begegnung mit dem Schwarzen Loch im Herzen der Milchstraße.

Bild: NASA, ESA, and G. Bacon (STScI)

Verfolgt man die momentane Bewegung des Sterns zurück, gelangt man direkt zum Zentrum der Galaxis, berichten die Forscher um Warren Brown vom Smithsonian Astrophysical Observatory im Fachblatt “Astrophysical Journal Letters”. Diese Beobachtung widerlege die Vermutung, der Stern stamme aus einer Nachbargalaxie der Milchstraße.

Brown und Kollegen nutzten das Weltraumteleskop Hubble, um den Schnellläufer mit der Bezeichnung HE 0437-5439 im Abstand von dreieinhalb Jahren zu beobachten. Indem sie eine Reihe von Hintergrundgalaxien als Fixpunkte wählten, konnten sie die jeweilige Position und damit die Bewegung des Sterns äußerst genau bestimmen.

Der rasende Stern war im Jahr 2005 von deutschen Astronomen entdeckt worden. Derzeit “steht” er etwa 200.000 Lichtjahre über der Scheibe der Milchstraße, rund 65.000 von der Großen Magellanschen Wolke entfernt. Sein relativ blaues Licht lässt auf ein Alter von gut 20 Millionen Jahren schließen. Selbst mit seiner momentanen Geschwindigkeit hätte der Stern allerdings rund 100 Millionen Jahre vom Zentrum der Milchstraße bis zu seiner heutigen Position gebraucht. Daher war vermutet worden, es handle sich um einen “Überläufer” aus der Großen Magellanschen Wolke.

Die Bewegungsmessung zeigt dagegen, dass HE 0437-5439 viel jünger erscheint als er tatsächlich ist. Brown und Kollegen vermuten, dass das Objekt letztlich auf ein Mehrfachsystem dreier massearmer und daher langlebiger Sterne zurückgeht. Dieses System verlor bei der folgenschweren Begegnung im Milchstraßenzentrum ein Mitglied und wurde enorm beschleunigt. Im Laufe der Zeit “schluckte” dann der massereichere der verbliebenen Partner den anderen, wobei ein heißerer, jung erscheinender Stern entstand.

So umständlich das Szenario der stellaren Verjüngungskur auch anmute, passe es doch am ehesten zu den Beobachtungen, erklärt Brown: “Man findet solche Blauen Nachzügler in der Milchstraße, zudem gehören die meisten Sterne zu Mehrfachsystemen.” Der Astronom und seine Kollegen wollen ihre Messtechnik auch auf andere Schnellläufer anwenden. Aus dem Wissen um Herkunft und Bewegung der rasenden Sterne erhoffen sie sich Rückschlüsse über eventuelle Ansammlungen nicht leuchtender Materie im All.

Forschung: Warren R. Brown und Margaret J. Geller, Smithsonian Astrophysical Observatory, Cambridge, Massachusetts; Jay Anderson und Oleg Y. Gnedin, Space Telescope Science Institute, Baltimore, Maryland; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 719, L23, DOI 10.1088/2041-8205/719/1/L23; Preprint arXiv:1007.3493

WWW:
Hypervelocity Star Program, Smithsonian Astrophysical Observatory
Hypervelocity Stars
The Formation of Blue Stragglers
Hubble

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Rasender Stern ist ein Überläufer
Galaktischer Überläufer entdeckt


Posted in: Galaxien, Kosmos, Sterne
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 5.00 von 5)
Loading...Loading...

Drucken Drucken


Möchten Sie kommentieren?