Posted in: Mond, Sonnensystem 5. August 2010 20:12 Weiter lesen →

Knochentrockener Mond

Blick auf die Nordpolregion des Mondes mit Tag-Nacht-Grenze Seit seiner gewaltsamen Entstehung hat der Mond niemals größere Mengen von Wasser enthalten. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Forscher nach der Analyse von Staub- und Gesteinsproben, die die Apollo-Astronauten zur Erde gebracht hatten. Demnach scheint das Mondmaterial einen großen Teil des anfänglich enthaltenen Chlors verloren zu haben – eines ausgesprochen „wasserliebenden“ Elements.

Bild: NASA/JPL/USGS

Der Verlust zeigt sich in einer von Probe zu Probe stark schwankenden Anreicherung des schweren Chlor-Isotops Chlor-37, schreiben die Forscher um Zachary Sharp von der University of New Mexico im Magazin „Science“. Laut den Geochemikern „deutet eine derartige Spannbreite auf Bedingungen hin, wie sie auf der Erde nicht anzutreffen sind“.

Die meisten Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass der Mond aus geschmolzenem Gestein entstand, das sich nach der Kollision eines großen Himmelskörpers mit der jungen Erde in deren Umlaufbahn ansammelte. Wie viel Wasser das Gestein des Erdtrabanten enthält, ist eine Frage, die neben Planetenforschern auch die Befürworter ausgedehnter Mondmissionen umtreibt.

Sharp und Kollegen gingen dieser Frage nach, indem sie das Muster der verschiedenen Chlor-Varianten in zwölf verschiedenen Proben vom Mond bestimmten. Die Überlegung der Forscher: Chlor hält sich im Gestein eng an Wasser. Ist jedoch kaum Wasser vorhanden, sollte es sich in Form von Natrium-, Eisen- und anderen Chloriden verflüchtigen, solange das Gestein noch nicht vollständig erstarrt ist. Und da sich leichtere Chlor-Isotope etwas schneller verflüchtigen, sollten sich schwerere Isotope umso stärker anreichern, je weniger Wasser vorhanden ist.

Die Forscher stellten fest, dass sich Chlor-37 in den meisten Mondproben um ein Vielfaches stärker angereichert ist als in typischem Gestein von der Erde – selbst irdische Extremwerte werden teils um den Faktor zehn übertroffen. „Wenn der anfängliche Wasserstoffgehalt der Mondbasalte auch nur annähernd dem irdischer Magmen entsprochen hätte, wäre es in dem Mondmaterial nicht zu einer solch extremen Fraktionierung gekommen“, folgern Sharp und seine Kollegen. Gegenteilig lautende Schlussfolgerungen anderer Arbeitsgruppen führen die Forscher auf Messungen an untypischem Mondgestein zurück.

Forschung: Zachary D. Sharp und Charles K. Shearer Jr., Department of Earth and Planetary Sciences und Institute of Meteoritics, University of New Mexico, Albuquerque; und andere

Online-Veröffentlichung Science, 5. August 2010, DOI 10.1126/science.1192606

WWW:
Zachary Sharp, University of New Mexico
Giant Impact Hypothesis
Stable Isotope Geochemistry: Chlorine

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mondkrater ohne Eis-Einlage


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