Posted in: Mond 19. August 2010 20:00 Weiter lesen →

Spät schrumpfender Mond

Sondenaufnahme zeigt jähe Terrainstufe samt Schattenwurf mit leicht gewundenem Verlauf, viele kleinere Krater, Größenmaßstab Der Mond der Erde hat noch lange die Folgen seiner hitzigen Entstehung verspürt. Entsprechende Hinweise haben amerikanische und deutsche Planetenforscher gefunden. Auf den hochauflösenden Aufnahmen einer Mondsonde entdeckten sie relativ junge Verwerfungen, die sehr wahrscheinlich auf ein spätes Zusammenziehen des Mondes zurückgehen.

Größenmaßstab: 650 Meter. Bild: NASA/GSFC/Arizona State University/Smithsonian

Gemessen an dem kaum verwitterten Zustand der Bruchstufen und der von ihnen zerteilten Krater, können die Verwerfungen nicht älter als eine Milliarde Jahre sein, schreiben die Forscher um Thomas Watters von der Smithsonian Institution und seine Kollegen im Magazin „Science“. Auf Basis ihrer Beobachtungen schätzen sie, dass sich der Mond noch in der jüngeren Vergangenheit um gut 200 Meter zusammengezogen hat.

Bruchstufen entstehen, wenn die Kruste des Himmelskörpers horizontal unter Druck gesetzt wird, bis sie schließlich aufreißt und sich die eine Risskante über die andere schiebt. Besonders imposante Beispiele finden sich auf dem kleinen Planeten Merkur. Im Rahmen der Apollo-Missionen waren Exemplare mit Längen von wenigen Kilometern auch auf dem Mond abgelichtet worden. Allerdings decken diese Aufnahmen nur ein Fünftel der Mondoberfläche ab.

Watters und Kollegen, darunter auch Harald Hiesinger von der Universität Münster, analysierten nun Aufnahmen des Lunar Reconnaissance Orbiter. Die Sonde war im Juni 2009 gestartet und hatte wenig später die Mondumlaufbahn erreicht. Seitdem liefern ihre Kameras „herkömmliche“ und Stereobilder mit einer Auflösung von bis zu 50 Zentimetern pro Bildpunkt. Anhand dieser Bilder konnten die Forscher 14 bislang unbekannte Bruchstufen identifizieren und vermessen. Die Stufen sind über alle Breiten vom Südpol bis zum Nordpol verteilt, sodass Gezeitenkräfte als alleinige Ursache ausscheiden.

Forschung: Thomas R. Watters, Center for Earth and Planetary Studies, Smithsonian Institution, Washington, D.C.; Mark S. Robinson, School of Earth and Space Exploration, Arizona State University, Tempe; Harald Hiesinger, Institut für Planetologie, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 329, 20. August 2010, pp 936-40, DOI 10.1126/science.1189590

WWW:
Center for Earth and Planetary Studies, Smithsonian Institution
Institut für Planetologie, Uni Münster
Lunar Scarps: Exploring the Cliffs of the Moon
Planetary Geology: The Moon
Lunar Reconnaissance Orbiter Camera

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Späte lunare Unrast

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