Posted in: Planeten 21. September 2010 08:08 Weiter lesen →

Venus mit Wärmeventil

Querschnitt durch die Venus zeigt Wärmeverteilung als Rottöne Der starke Treibhauseffekt auf der Venus könnte den Planeten langfristig sogar kühlen. Diese Möglichkeit eröffnen Modellrechnungen zweier Berliner Forscherinnen. Unter der dichten Hülle aus Vulkangasen förmlich aufgeweicht, könnte die Kruste große Mengen von Wärme aus dem Inneren des Planeten entweichen lassen – ähnlich wie bei einem Topf kochenden Wassers, dessen Deckel angehoben wird.

Bild: DLR

Mitunter als die höllische Schwester der Erde bezeichnet, weist die Venus eine mittlere Oberflächentemperatur von 470 Grad Celsius auf. Der Grund sei die dichte Atmosphäre aus Kohlendioxid und Schwefelsäure, erläutert Lena Noack vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Das Gas sei wiederum von Abertausenden von Vulkanen ausgestoßen worden.

Noack und ihre Kollegin Doris Breuer gingen der Frage nach, ob und welche Wechselwirkung zwischen der Treibhausatmosphäre und dem Planeteninnern besteht. Eine frühere Studie hatte vermuten lassen, dass die zusätzliche Erwärmung den Ausstoß vulkanischer Gase und damit wiederum den Treibhauseffekt verstärken könnte. Die Modellrechnungen der Berliner Forscherinnen ergaben nun, dass dieses gegenseitige Aufschaukeln seine Grenzen hat. Ab einer kritischen Temperatur um 580 Grad Celsius wird die Kruste der Venus demnach so weich und wärmedurchlässig, dass der darunter liegende Mantel als Quelle des Vulkanismus rasch auskühlt.

Möglicherweise sei die Venus in der Vergangenheit also noch wärmer gewesen als heute, erläutert Noack. „Unser Modell zeigt, dass das Abklingen des Vulkanismus nach einem heißen Vulkanzeitalter zu einem starken Rückgang der Temperaturen in der Atmosphäre führt“, so die Forscherin. Die vorübergehende „Erweichung“ der Venuskruste könnte zudem verstehen helfen, warum die Oberfläche der Venus mit bestenfalls 500 Millionen Jahren relativ jung ist, obgleich der Planet offenbar keine Plattentektonik aufweist.

Forschung: Lena Noack und Doris Breuer, Institut für Planetenforschung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Berlin

Präsentation auf dem European Planetary Science Congress 2010, Rom, #EPSC2010-304

WWW:
Institut für Planetenforschung, DLR
The Baffling Geology of Venus

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Neue Hinweise auf Venus-Kontinente


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2 Kommentare zu "Venus mit Wärmeventil"

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  1. Helmut Felix Pozelt sagt:

    Eines der Venusraetsel sscheint bis jetzt ungeklaert zu sein, das ist die gegenlaeufige Rotationsdauer. Nach allgemeiner Ansicht sollte Venus bei der Entstehung des Planetensystems der Sonne eine wesentlich hoehere und gleichlaeufige Rotationsdauer in ihrer Fruehzeit besssen haben. Frage: Was koennte zur Abbremsung und Gegenlaeufiigkeit der Eigenrotation gefuehrt haben?