Posted in: Sterne 23. September 2010 20:49 Weiter lesen →

Ein besonders kühler Nachbar

Infrarot-Teleskopaufnahme zeigt einige mehr oder weniger ausgeprägte Flecken vor verrauschtem Hintergrund In der galaktischen Umgebung der Sonne gibt es nicht nur strahlende Sterne, demonstriert die Entdeckung eines neuen Braunen Zwergs durch eine internationale Astronomengruppe. Der „Beinahe-Stern“ zählt mit einer Temperatur von etwa 250 Grad Celsius zu den kühlsten seiner Art und sendet praktisch kein sichtbares Licht aus. Nur 13 Lichtjahre von der Sonne entfernt, gehört er zu deren nächsten Nachbarn.

Der neu entdeckte Braune Zwerg besitzt weniger als ein Millionstel der Leuchtkraft der Sonne. Bild: UKIRT Deep Sky Survey/Gemini Observatory

Diese Kombination von Eigenschaften mache das Objekt mit der Kurzbezeichnung UGPS J0722-05 für die Forschung ganz besonders interessant, so die Forscher um Philip Lucas von der University of Hertfordshire im englischen Hatfield. Ihre Entdeckung stellen sie in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ vor.

Braune Zwerge entstehen vermutlich auf dieselbe Art und Weise wie „normale“ Sterne, indem ein Teil einer Gaswolke unter seiner eigenen Schwerkraft in sich zusammenfällt und sich immer weiter verdichtet. Bei den Braunen Zwergen reicht die Masse und damit die Schwerkraft jedoch nicht aus, um in dem Gasball die Bedingungen für eine dauerhafte Kernfusion zu schaffen. Die Schwelle liegt bei 7 Prozent der Sonnenmasse oder etwa 75 Jupitermassen. Der jetzt entdeckte Braune Zwerg weist höchstens 15 Jupitermassen auf und verglimmt daher allmählich.

Lucas und Kollegen fanden den Neuling unter mehr als 600 Millionen Infrarotquellen, die im Rahmen einer großangelegten Durchmusterung der Milchstraßenebene registriert worden sind. Weitere Beobachtungen enthüllten die für sehr kühle Braune Zwerge typischen Absorptionsbanden von Wasser und Methan. Die Entfernung von UGPS J0722-05 konnten die Forscher anhand der Pendelbewegung bestimmen, die der Beinahe-Stern vor dem Sternhintergrund zu vollführen scheint, indem sich die Erde um die Sonne bewegt.

Forschung: Philip W. Lucas und Ben Burningham, Centre for Astrophysics Research, University of Hertfordshire, Hatfield; Chris G. Tinney, Department of Astrophysics, University of New South Wales, Sydney; Sergei N. Yurchenko, Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie, Technische Universität Dresden; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, DOI 10.1111/j.1745-3933.2010.00927.x

WWW:
Centre for Astrophysics Research, University of Hertfordshire
The UKIRT Infrared Deep Sky Survey
Braune Zwerge
L Dwarf and T Dward Spectral Classification

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kühle Zwerge
Ein „cooles“ Paar

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