Posted in: Galaxien, Sterne 13. Oktober 2010 13:34 Weiter lesen →

Vermummte Supernova beobachtet

Grafik zeigt von innen heraus glimmende, rotbraune Staubkugel vor Sternenhintergrund mit bläulichen Nebelschwaden Wenn ein Stern am Ende seines Lebens kollabiert, muss nicht unbedingt eine gleißend helle Supernova am Nachthimmel erstrahlen. Das zeigen Beobachtungen einer internationalen Astronomengruppe. Der von ihnen entdeckte Sternkollaps verriet sich lediglich in Form eines heißen Flecks in einer fernen Galaxis – vermutlich, weil das eigentliche Inferno durch dichte Staubschleier verhüllt wurde.

Grafik: NASA/JPL-Caltech/R. Hurt

Diese Staubschleier waren von dem alternden Stern selbst produziert worden, glauben Szymon Kozłowski von der Ohio State University und seine Kollegen. Seinen Brennstoff aufzehrend, stieß der Stern Teile seiner Hülle ins All, bevor er im August 2007 endgültig verging. „Dabei setzte er in sechs Monaten mehr Energie frei als die Sonne in ihrem gesamten Leben produzieren könnte“, so der Forscher.

Kozłowski und Kollegen kamen der vermummten Supernova SN 2007va mit dem Weltraumteleskop Spitzer auf die Spur. Die Astronomen analysierten Daten einer Beobachtungskampagne, in deren Rahmen das Teleskop mehrmals einen besonders gründlichen Blick auf ein Gebiet im Sternbild Bootes wirft. Eigentlich suchten sie nach Ausbrüchen von Infrarotstrahlung, wie sie Materie verschlingende Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien produzieren.

Tatsächlich registrierte das Teleskop einen solchen Ausbruch in einer fernen Galaxie. Weitere Beobachtungen zeigten allerdings, dass diese Galaxie gar keinen aktiven Kern besitzt. Auf Basis ihrer Daten vermuten die Forscher vielmehr, dass die Strahlung letztlich auf den Kollaps eines Sterns von mindestens 50 Sonnenmassen zurückging.

Dieser Stern dürfte in den Jahrhunderten vor seinem Ende mindestens zwei Mal Gas- und Staubmassen abgestoßen haben, die sich langsam als Kugelschalen in den umgebenden Raum ausbreiteten. Dieses Material absorbierte einen großen Teil der bei dem Kollaps freigesetzten Energie und gab sie als Wärmestrahlung wieder ab. Nach Ansicht Kozłowskis und seiner Kollegen könnten solche vermummten Supernovae relativ häufig sein, insbesondere in jungen Galaxien mit einem geringen Gehalt schwererer Elemente.

Zu guter Letzt wird SN 2007va doch noch im sichtbaren Licht erstrahlen, glauben die Astronomen. In einigen Jahren dürfte nämlich die Schockwelle des Sternkollaps von innen auf die Kugelschalen aus Staub auflaufen und sie mit Gewalt zusammendrücken. Das Resultat könnte eine spektakuläre Himmelserscheinung sein.

Forschung: Szymon Kozłowski, Christopher Kochanek und Krzysztof Stanek, Department of Astronomy und Center for Cosmology and Astroparticle Physics, Ohio State University, Columbus; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 722(2), pp 1624 ff., DOI 10.1088/0004-637X/722/2/1624; Preprint arXiv:1006.4162

WWW:
Szymon Kozłowski, jetzt Universität Warschau
SN 2007va
Department of Astronomy, Ohio State University
The Spitzer Deep, Wide-Field Survey
Supernovae

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
„Supernova-Fabrik“ in der Milchstraße
Heimliche Quasare


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1 Kommentar zu "Vermummte Supernova beobachtet"

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  1. ba sagt:

    In welcher Galaxie ist diese vermummte supernova eigentlich?