Posted in: Galaxien, Kosmos 20. Oktober 2010 19:48 Weiter lesen →

Frühe Galaxie im kosmischen Nebel

Grafik zeigt kleine, teils verschmelzende rosa-bläuliche Blasen vor tiefschwarzem Hintergrund Eine ferne Galaxie ermöglicht neue Einblicke in die früheste Kindheit des Universums. Französische und englische Forscher haben ermittelt, dass das Licht der kürzlich entdeckten Galaxie aus einer Zeit stammt, als das Universum nur etwa 600 Millionen Jahre alt war. Damals, vor rund 13,3 Milliarden Jahren, musste es sich noch den Weg durch einen regelrechten Nebel aus Wasserstoffatomen bahnen.

Ausschnitt aus einer Simulation: Junge Galaxien „brennen“ sich durch den Wasserstoffschleier im jungen Universum. Grafik: M. Alvarez (http://www.cita.utoronto.ca/~malvarez), R. Kaehler, and T. Abel

Durch die Ausdehnung des Raumes ist das Licht der Galaxie auf seinem langen Weg um beinahe 860 Prozent gedehnt worden, berichten Matthew Lehnert vom Observatoire de Paris und seine Kollegen im Magazin „Nature“. Kein derzeit bekanntes Objekt im Universum sei weiter von der Erde entfernt, so die Wissenschaftler.

Die Galaxie mit der Bezeichnung UDFy-38135539 liegt in einem kleinen Himmelsausschnitt im Sternbild Fornax. Diesen Bereich hatte das Weltraumteleskop Hubble nach seiner Überholung im letzten Jahr insgesamt 48 Stunden lang beobachtet, um auch besonders lichtschwache Objekte erspähen zu können.

Lehnert und Kollegen nutzten eines der Großteleskope der Europäischen Südsternwarte in Chile, um das Infrarotspektrum von UDFy-38135539 aufzunehmen. Darin findet sich ein deutlicher Zacken bei einer Wellenlänge von 1.162 Nanometern. Die Forscher schreiben dieses Merkmal einer prägnanten Emissionslinie von energetisch angeregten Wasserstoffatomen zu, die normalerweise – nicht gestreckt durch die Ausdehnung des Raumes – im Ultravioletten bei knapp 122 Nanometern liegt.

„Wir können erstmals mit Sicherheit sagen, dass wir eine jener Galaxien sehen, die den im jungen Universum allgegenwärtigen Wasserstoffnebel lichteten“, erläutert Lehnerts Kollegin Nicole Nesvadba vom Institut d’Astrophysique Spatiale in Orsay. Zu jenem Zeitpunkt habe es das Licht der Galaxie allerdings nicht alleine schaffen können. Die Strahlung nahe benachbarter Galaxien müsse zumindest den ersten Teil des Weges geebnet haben, indem sie Wasserstoffatome ionisierte und damit durchsichtig machte.

Forschung: Matthew David Lehnert, Laboratoire GEPI, Observatoire de Paris, CNRS/Université Paris Diderot, Meudon; Nicole P. H. Nesvadba, Institut d’Astrophysique Spatiale, CNRS/Université Paris-Sud, Orsay; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 476, 21. Oktober 2010, pp 940-2, DOI 10.1038/nature09462

WWW:
Observatoire de Paris
Die Epoche der Reionisation
ESO Very Large Telescope
Hubble’s Deepest View of Universe Unveils Never-Before-Seen Galaxies
Rotverschiebung und Expansion

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