Posted in: Exoplaneten, Sterne 27. Oktober 2010 14:46 Weiter lesen →

Zwei Planeten mit zwei Sonnen

Grafik zeigt im Vordergrund einen bräunlichen und einen bläulichen Gasplaneten, im Hintergrund eine orangefarbene und eine weiße Sonne Nicht nur einen Stern, sondern gleich zwei Sterne umkreisen zwei Planeten in der galaktischen Nachbarschaft der Sonne. Diesen Schluss legen Messungen deutscher, englischer und amerikanischer Astrophysiker nahe. Die Anwesenheit der beiden Planeten verrät sich dadurch, dass die Verdunklungen des Doppelsterns mit schöner Regelmäßigkeit unpünktlich sind.

Grafik: Stuart Littlefair, University of Sheffield

Eigentlich sollte der Doppelstern alle drei Stunden kurzzeitig etwas dunkler werden, indem sich der größere der beiden Sterne – von der Erde aus gesehen – vor den kleineren schiebt. Dieser Rhythmus wird allerdings immer wieder um bis zu 30 Sekunden langsamer und dann wieder schneller, ermittelten die Forscher um Klaus Beuermann von der Universität Göttingen. Die plausibelste Ursache sind zwei Planeten mit zwei bzw. sieben Jupitermassen, deren Schwerkraftzug den Doppelstern förmlich ins Torkeln bringt.

Das stellare Paar mit der Bezeichnung NN Serpentis liegt im Sternbild der Schlange, gut 1.600 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Es besteht aus einem sehr kleinen Stern und einem etwas größeren Weißen Zwerg. Letzterer ist vor etwa einer Million Jahren entstanden, indem eine alternde Sonne sich zunächst aufblähte und dann ihre äußeren Schichten abstieß. Vielleicht sind die beiden Planeten erst aus diesen Gasmassen entstanden, vermuten Beuermann und Kollegen.

Bereits vor 22 Jahren war aufgefallen, dass NN Serpentis regelmäßig etwas dunkler wird. Die Göttinger Astrophysiker und ihre Kollegen trugen die seitdem gesammelten Daten über das System zusammen und stellten darüber hinaus weitere Beobachtungen an, bei denen sie den Zeitpunkt der Bedeckungen bis auf einige Zehntelsekunden genau bestimmen konnten. Ihre Resultate und Schlussfolgerungen präsentieren sie im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“.

Forschung: Klaus Beuermann und Frederic V. Hessmann, Institut für Astrophysik, Georg-August-Universität Göttingen; Tom Marsh, Department of Physics, University of Warwick, Coventry; Vik Dhillon und Stuart Littlefair, Department of Physics and Astronomy, University of Sheffield; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, Vol. 521, L60, DOI 10.1051/0004-6361/201015472

WWW:
Institut für Astrophysik Göttingen
Binary Stars
Extrasolar Planets Encyclopaedia

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