Posted in: Exoplaneten 28. Oktober 2010 20:00 Weiter lesen →

Kleine Welten, große Erwartungen

Luftaufnahme zweier großer weißer Teleskopkugeln, beide geöffnet, den Blick auf die großen Spiegel freigebend Jeder vierte sonnenähnliche Stern könnte einen erdähnlichen Planeten besitzen. Zu dieser Einschätzung gelangt eine internationale Astronomengruppe nach einer systematischen Fahndung. Gerade solche Welten, die ihr Gestirn auf einer engen Bahn umkreisen und laut derzeitigen Modellen der Planetenentstehung eher selten sein sollten, entdeckten sie dabei besonders häufig.

Für ihren „Eta-Earth Survey“ nutzten die Astronomen das Keck-Zwillingsteleskop auf Hawaii. Foto: JPL/NASA

„Ein Ziel der Astronomie ist es, den Anteil der sonnenähnlichen Sterne zu bestimmen, die eine Erde haben“, formuliert Andrew Howard von der University of California in Berkeley. Zwar könnte der wahre Wert letztlich auch bei einem Achtel liegen statt bei einem Viertel, so der Forscher. „Er liegt jedoch über einem Hundertstel, und diese Erkenntnis allein ist schon großartig.“

Seit Beginn der 90er-Jahre sind deutliche Hinweise auf beinahe 400 Planeten ferner Sterne entdeckt worden. Anfangs wurden vor allem Riesenplaneten auf engen Umlaufbahnen entdeckt, die sich besonders leicht nachweisen lassen. Allmählich gehen den Astronomen jedoch auch kleinere Welten mit einigen Erdmassen ins Netz.

Um mehr über die tatsächliche Verteilung zu erfahren, nahmen Howard und Kollegen ein systematisches Programm in Angriff. Fünf Jahre lang beobachteten sie immer wieder 235 Sterne, die nicht sehr viel heller und massereicher als die Sonne und nicht mehr als 80 Lichtjahre davon entfernt sind. Insgesamt wurden bis heute 33 Planeten bei 22 dieser Sterne entdeckt – teils von Howard und Kollegen, teils von anderen Forschergruppen.

Auf Basis dieser Entdeckungen sowie der Dauer und Empfindlichkeit der bisherigen Beobachtungen schätzen die Forscher, wie viele Planeten auf engen Umlaufbahnen noch der Entdeckung harren. Demnach könnten knapp 2 Prozent der sonnenähnlichen Sterne einen jupiterähnlichen und etwa 6 Prozent einen neptunähnlichen Planeten besitzen. „Super-Erden“ mit drei bis zehn Erdmassen könnten bei immerhin 12 Prozent der Sterne vorkommen und solche vom Kaliber der Erde bei ganzen 23 Prozent.

Forschung: Andrew W. Howard und Geoffrey W. Marcy, Department of Astronomy und Space Sciences Laboratory, University of California, Berkeley; Doug N. C. Lin, University of California Observatories/Lick Observatory, University of California, Santa Cruz, und Kavli Institute, Peking University; Shigeru Ida, Tokyo Institute of Technology; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 330, pp 653-5, DOI 10.1126/science.1194854

WWW:
Astronomy Department, UC Berkeley
exoplanets.org

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2 Kommentare zu "Kleine Welten, große Erwartungen"

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  1. Theodora Papse sagt:

    ein Viertel aller Sonnen ähnlichen Sterne könnten einen Erdähnlichen Planeten haben.
    Das ist eine recht weit gestreckte Statistik, der ich aber gerne glauben möchte.

    Allerdings ist in dieser Statistik von einer Erdähnlichkeit als die reine Größe des Felsplaneten gemeint, nicht seine Ähnlichkeit auf Temperatur, chem. Zusammensetzung oder gar Wasseranteil.

    Die Erdähnlichen Planeten in der „Lebenszone“ sind bisher nicht gefunden worden. Deren Wahrscheinlichkeit wird auch deutlich unter einem Prozent liegen.

    lG

  2. Jörg sagt:

    Wenn man sich das Science Paper so durchliest … mein Statistikprof hätte derlei Extrapolieren mit ziemlich tiefen Stirnfalten betrachtet. Vermutung: Da ist mal wieder viel Forschungs(förderungs)politik mit im Spiel. Wo die NASA doch sparen muss, haut man ein Paper raus, in dem die Früchte laufender und künftiger Missionen in besonders prächtigen Farben dargestellt werden. Aber spannend ists scho. 😉