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Kleine Welten, große Erwartungen

Luftaufnahme zweier großer weißer Teleskopkugeln, beide geöffnet, den Blick auf die großen Spiegel freigebend [1] Jeder vierte sonnenähnliche Stern könnte einen erdähnlichen Planeten besitzen. Zu dieser Einschätzung gelangt eine internationale Astronomengruppe nach einer systematischen Fahndung. Gerade solche Welten, die ihr Gestirn auf einer engen Bahn umkreisen und laut derzeitigen Modellen der Planetenentstehung eher selten sein sollten, entdeckten sie dabei besonders häufig.

Für ihren „Eta-Earth Survey“ nutzten die Astronomen das Keck-Zwillingsteleskop auf Hawaii. Foto: JPL/NASA

„Ein Ziel der Astronomie ist es, den Anteil der sonnenähnlichen Sterne zu bestimmen, die eine Erde haben“, formuliert Andrew Howard von der University of California in Berkeley. Zwar könnte der wahre Wert letztlich auch bei einem Achtel liegen statt bei einem Viertel, so der Forscher. „Er liegt jedoch über einem Hundertstel, und diese Erkenntnis allein ist schon großartig.“

Seit Beginn der 90er-Jahre sind deutliche Hinweise auf beinahe 400 Planeten ferner Sterne entdeckt worden. Anfangs wurden vor allem Riesenplaneten auf engen Umlaufbahnen entdeckt, die sich besonders leicht nachweisen lassen. Allmählich gehen den Astronomen jedoch auch kleinere Welten mit einigen Erdmassen ins Netz.

Um mehr über die tatsächliche Verteilung zu erfahren, nahmen Howard und Kollegen ein systematisches Programm in Angriff. Fünf Jahre lang beobachteten sie immer wieder 235 Sterne, die nicht sehr viel heller und massereicher als die Sonne und nicht mehr als 80 Lichtjahre davon entfernt sind. Insgesamt wurden bis heute 33 Planeten bei 22 dieser Sterne entdeckt – teils von Howard und Kollegen, teils von anderen Forschergruppen.

Auf Basis dieser Entdeckungen sowie der Dauer und Empfindlichkeit der bisherigen Beobachtungen schätzen die Forscher, wie viele Planeten auf engen Umlaufbahnen noch der Entdeckung harren. Demnach könnten knapp 2 Prozent der sonnenähnlichen Sterne einen jupiterähnlichen und etwa 6 Prozent einen neptunähnlichen Planeten besitzen. „Super-Erden“ mit drei bis zehn Erdmassen könnten bei immerhin 12 Prozent der Sterne vorkommen und solche vom Kaliber der Erde bei ganzen 23 Prozent.

Forschung: Andrew W. Howard und Geoffrey W. Marcy, Department of Astronomy und Space Sciences Laboratory, University of California, Berkeley; Doug N. C. Lin, University of California Observatories/Lick Observatory, University of California, Santa Cruz, und Kavli Institute, Peking University; Shigeru Ida, Tokyo Institute of Technology; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 330, pp 653-5, DOI 10.1126/science.1194854

WWW:
Astronomy Department, UC Berkeley [2]
exoplanets.org [3]

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Super-Erden im Dreierpack [4]
Neuer Expoplanet ist Fünfter im Bunde [5]